Im Rahmen des sogenannten
Kölner Bürgerhaushaltes haben im vergangenen Jahr rund 4.900 Kölner Vorschläge
gemacht, wofür ihr Steuergeld ab 2008 sinnvoll ausgegeben werden könnte. Viele
Bürger haben sich für die Wiederaufnahme des Betriebs der Kölner Brunnen
ausgesprochen – und sind von der Stadtspitze enttäuscht worden. Grund genug
für Judith Wolter, zumindest für die Innenstadt die Initiative zu ergreifen und
nach einem Weg für die Inbetriebnahme der Brunnen im Stadtbezirk zu suchen. Die
Innenstadt ist schließlich das Haushängeschild Kölns und ein Anziehungspunkt für
Touristen aus aller Welt. Hier gilt in besonderem Maße, was ein engagierter
Kölner unter dem Namen Greebo der Verwaltung als Beitrag zum Bürgerhaushalt ins
Stammbuch geschrieben hat:
„Sprudelndes Wasser ist Leben,
dessen Anblick gibt Lebensfreude, trägt zur Gesundheit bei. Viele Brunnen in
Köln sind nicht angeschaltet. Es wird das Energieniveau der Menschen anheben und
indirekt zur Steigerung von deren Produktivität und letztendlich auch der
städtischen Steuereinnahmen führen, wenn sie wieder angeschaltet wären. Ich bin
sogar dafür, noch mehr Brunnen zu bauen, um Köln das Flair einer Stadt wie z.B
Paris zu geben. Die chinesische Lehre des Feng Shui besagt, daß fließendes
Wasser zum Fliessen des Geldes führt: Köln wird wieder flüssig, wenn es seine
Brunnen anschaltet.“
Einen treffenden Kommentar dazu
hat Georg Adenauer auf der Internetseite der Stadt Köln veröffentlicht:
„Zu einem großzügigen Stadtbild
gehören schlichtweg Brunnen. In Köln sind sie vorhanden, nur ist die
Stadtverwaltung nicht bereit, aus angeblicher Geldknappheit diese zu betreiben
und sucht alljährlich statt dessen in der Kaufmannschaft nach Sponsoren.
Zum Betreiben eines Brunnens benötigt man insbesondere Wasser und elektrischen
Strom, über beides verfügt die städtische Tochter ‚Rheinenergie’ im Übermaß.
Geld hat sie auch, wie das Sponsoring zahlreicher ballspielender Sportvereine
zeigt. Herrgottsakra, es bedarf nur einer Anweisung durch die Stadt, daß unsere
Brunnen wieder sprudeln. Es sind die Brunnen der Bürger, und die ‚Rheinenergie’
als kommunales Unternehmen gehört letztlich auch den Bürgern!“
Weniger erfrischend ist die
Stellungnahme der Verwaltung zu dieser Bürgeranregung, die lautet:
„Aufgrund begrenzter Mittel
können durch die Stadt nur 14 Brunnen betrieben werden. Das sind weitgehend die
Pumpstationen z.B. für den Stadtwald und Lindenthaler Kanäle sowie Fontänen in
den Weihern, die sehr kostenintensiv sind. Ansonsten können Brunnen nur in
Betrieb genommen werden, wenn die Betriebskosten durch Sponsoren/Spender
finanziert werden. Für den Bau sowie die Unterhaltung neuer Brunnen stehen
ebenfalls keine Gelder zur Verfügung.“
Pro Köln hat nun den städtischen
Haushalt nach Einspar-Möglichkeiten durchsucht. Dabei sind wir auf die im Jahr
2007 nicht ganz unerheblichen Kosten in Höhe von 431.400,00 Euro für
Druckerzeugnisse des Sitzungsdienstes gestoßen, der vor jeder Sitzung des Rates,
einer Bezirksvertretung oder eines Ausschusses prinzipiell alle
Verwaltungsvorlagen nebst Anlagen auf Papier ausdruckt. Viele Vorlagen werden
den Fraktionen auf Bezirks- und Ratsebene sowie den Mandatsträgern mehrfach
zugestellt. Ein Bruchteil des jährlich dafür anfallenden Geldbetrages von weit
mehr als 400.000 Euro würde ausreichen, um alle Brunnen in der Innenstadt wieder
in Betrieb zu nehmen. Erhebliche Teile des Etats des Sitzungsdienstes für
Druckerzeugnisse könnten durch die Vermeidung von Mehrfach-Zustellungen sowie
insbesondere durch die Verbreitung der Sitzungsunterlagen in digitalisierter
Form eingespart werden.
Deshalb beantragt pro Köln in
der Sitzung der Bezirksvertretung Innenstadt am 27. Mai 2008, die Bezirksvertretung möge den
Rat der Stadt Köln auffordern, die Brunnen in der Innenstadt möglichst zeitnah
wieder in Betrieb zu nehmen und die dafür entstehenden Kosten durch Einsparungen
bei den Druckerzeugnissen des Sitzungsdienstes zu decken.
Selbstverständlich werden die
Mehrheitsfraktionen diesen Antrag schon deshalb ablehnen, weil er von pro Köln
kommt. Aber vielleicht tritt ja der „pro-Köln-Effekt“ ein: Intern wird womöglich
dezent überprüft, ob wirklich mehr als 400.000 Euro im Jahr für die zum Teil
drei- oder vierfache Belieferung von Mandatsträgern mit denselben
Sitzungsunterlagen nötig sind. Dann wird umgeschichtet. Und irgendwann,
hoffentlich, sprudeln die Kölner Brunnen wieder – erst in der Innenstadt, dann
in allen Stadtbezirken!