Eklat im Bezirksrathaus
Die von der Fraktion pro Köln für die
Sitzung der Bezirksvertretung Ehrenfeld am 14. April 2008 beantragte Aktuelle
Stunde zur Islamisierung des Stadtbezirkes hat die Grenzen der Fähigkeiten des
Bezirksbürgermeisters Josef Wirges (SPD) zur Sitzungsführung erkennbar werden
lassen. Als Jörg Uckermann zum Thema das Wort ergriff, verließen die
Bezirksvertreter der Altparteien den Saal. Nach fünf
Minuten unterbrach Wirges Jörg Uckermann, und die Mandatsträger, die zuvor
hinausgegangen waren, kamen wieder in den Saal. Danach äußerte sich Niklas
Kienitz, Uckermanns Nachfolger im Amt des CDU-Fraktionsvorsitzenden. Kienitz
beantragte, das Thema für erledigt zu erklären. Darüber sollte
abgestimmt werden, aber zunächst sprachen noch einmal Jörg Uckermann und danach das pro-Köln-Ratsmitglied Bernd M. Schöppe. Uckermann war über Kienitz’
Stellungnahme verwundert, denn Kienitz und die meisten SPD-Bezirksvertreter
konnten sich zu der Aktuellen Stunde sinnvollerweise gar nicht äußern, weil sie
ja zuvor den Sitzungssaal verlassen hatten. Uckermann fühlte sich an die
Verhaltensweisen von Abgeordneten totalitärer Parteien in der Weimarer Republik
erinnert, die auch bereits den Parlamentsbetrieb durch Rein- und Rauslaufen
gestört hatten, und sprach von „sozialdemokratischem Faschismus“.
Daraufhin verlor Bezirksbürgermeister Wirges
völlig die Fassung und erteilte Uckermann kurz nacheinander zwei Verweise. Ein
Bürger, der als Zuschauer die Sitzung verfolgt hatte und über das Verhalten des
SPD-Bezirkspolitikers entsetzt war, sagte: „Das hier ist nicht demokratisch.“
Daraufhin wurde er von Wirges des Saales verwiesen und mußte gehen.
Von einem geregelten Sitzungsverlauf konnte
in dieser Situation keine Rede mehr sein. Ein Zuschauer mit islamischem
Zuwanderungs-Hintergrund rief dann auch noch „Heil Hitler“ in den Raum. Er wurde
von anderen Gästen darauf aufmerksam gemacht, daß solche Äußerungen in
Deutschland unzulässig sind. In diesem Fall aber legte Josef Wirges ein für
seinen polternden Stil bei der Sitzungsleitung eher ungewöhnliches Maß an
Toleranz an den Tag und sprach keinen Verweis aus.
Warum eigentlich nicht? Warum ist nach der
Bewertung von Josef Wirges die Formulierung „sozialdemokratischer Faschismus“
eine Rüge wert, nicht aber die Äußerung „Heil Hitler“? – Auf diese Frage wird
der SPD-Politiker wohl kaum eine nachvollziehbare Antwort geben können.
Jörg Uckermann muß feststellen: „Wirges ist
als Sitzungsleiter in der Bezirksvertretung hoffnungslos überfordert. Ich kenne
ihn ja schon seit Jahren, aber so unsouverän habe ich ihn noch nie erlebt. Er
spürt wohl, daß mit einer starken Fraktion pro Köln in seiner Bezirksvertretung
künftig einiges anders werden wird.“