Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma plant im Rahmen der zwischen Köln
und der chinesischen Hauptstadt bestehenden Städtepartnerschaft in der
Zeit vom 6. bis zum 15. August 2008 einen Aufenthalt in Peking. Gerade
rechtzeitig im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele würde der Besuch eine
Normalität signalisieren, die es in Wahrheit nicht gibt im
bevölkerungsreichsten Land der Welt. Denn China mißachtet regelmäßig
die Menschenrechte in gröbster Weise. Deshalb hat die Fraktion pro Köln
für die Ratssitzung am 29. Mai 2008 einen Antrag eingebracht, über den der
Rat Schramma auffordern soll, seine China-Reise abzusagen.
Pro Köln
wird es Herrn Schramma nicht ersparen, an Laogai zu erinnern - das weltweit
größte System von Umerziehungs- und Arbeitslagern, das ein fester Bestandteil
chinesischer Wirtschaftspolitik ist. Offiziellen Angaben der Pekinger Führung
zufolge sitzen 200.000 Personen in den Lagern des Laogai ein. NGOs gehen von
einer weit höheren Zahl aus - man spricht vom Zehnfachen.
Viele
Zwangsarbeiter sind nicht kriminell, sondern werden aus politischen Gründen
willkürlich gefangen gehalten und mittels Gehirnwäsche politisch umerzogen. Sie
erhalten weder eine Anklage, noch einen Prozeß, noch ein Urteil. Dies gilt
besonders für die in China unterdrückten Tibeter und Uiguren, für chinesische
Christen, Falun Gong-Praktizierende, Demokraten, Gewerkschafter und
Menschenrechtler. Harry Wu, Kurator der Internationalen Gesellschaft für
Menschenrechte, schätzt, daß bereits vierzig bis fünfzig Millionen Menschen
Opfer dieser Praxis wurden. Die Häftlinge werden auf unterschiedlichste Art
gefoltert. Ihr Tod infolge von Unterernährung, Überarbeitung, Erschöpfung und
Folter wird billigend in Kauf genommen.
Am 10. Mai
2007 wurde im Deutschen Bundestag gegen die Stimmen der Linkspartei eine
Resolution angenommen, in der die Volksrepublik China für das Laogai-System
scharf verurteilt wurde.
Anzusprechen sind in diesem Zusammenhang auch die verbrecherischen
Organentnahmen bei lebenden Menschen, namentlich Mitgliedern der
Falun-Gong-Organisation, aber auch anderer. Berichtet wird auch über illegalen
Organhandel und illegale Organentnahmen bei Menschen, die hingerichtet wurden
oder hingerichtet werden sollen. Anhänger der als Sekte verbotenen Bewegung
Falun Gong sollen als lebende Banken für Körperteile dienen: Die Kanadier David
Matas und David Kilgour werfen China Mord durch Organentnahme und zudem
illegalen Organhandel vor. Für sie ist besonders frappierend, daß seit 1999, dem
Jahr, in dem Falun Gong in China verboten wurde, die Anzahl der
Transplantationen sprunghaft zunahm. Während zwischen 1994 und 1999 nach
offiziellen Angaben 18.500 Organe verpflanzt wurden, waren es zwischen 2000 und
2005 bereits 60.000.
Die
Kommunistische Partei strebt eine Gedankenkontrolle der Menschen an. In diesem
Zusammenhang ist bedeutend, daß in China regelmäßig Razzien bei Versammlungen
von Angehörigen verschiedener Religionen stattfinden, namentlich bei
Versammlungen evangelischer Hauskirchen oder romtreuer Katholiken. Als Folge
hiervon werden Teilnehmer teilweise inhaftiert, gefoltert und in Lager
verbracht.
Artikel 36
der chinesischen Verfassung von 1982 garantiert Glaubensfreiheit, doch heißt es
gleichzeitig u.a.: „Niemand darf eine Religion dazu benutzen, Aktivitäten
durchzuführen, die die öffentliche Ordnung stören. (...) Religiöse
Organisationen dürfen von keiner ausländischen Macht beherrscht werden.“ In der
VR China gibt es keine Glaubensfreiheit im Sinne der UN-Menschenrechtserklärung
von 1948. In diesem Sinne müssen Glaubensgemeinschaften offiziell gemeldet sein
und Kontrollen des Personals, der Aktivitäten und der Finanzen über sich ergehen
lassen. Die Mehrheit der geschätzten 80 bis 90 Millionen Christen in der VR
China lehnt dies ab. Man rechnet mit 40 bis 60 Millionen nichtregistrierten
Protestanten und 12 Millionen „Untergrundkatholiken“.
Die
romtreue katholische Kirche in China leidet weiter unter Verhaftungen und
staatlicher Unterdrückung. Im Rahmen angeblicher „Demokratisierung“ soll die
übernationale Ausrichtung der katholischen Kirche zerstört werden.
Vor den
Olympischen Spielen 2008 in Peking zeigt die chinesische Parteiführung, daß sie
um jeden Preis ein Propagandaspektakel ohne jeden Widerspruch erzwingen will.
Die zum Jahresbeginn ergangene Aufforderung der Parteiführung, die lokalen
Behörden sollten gegen „störende Elemente“ vorgehen und kritische Personen vor
den Spielen aus Peking entfernen, zeigt, daß in Peking die Idee der olympischen
Toleranz zu Grabe getragen wird.
Chinesische Sicherheitskräfte haben am 24. Januar 2008 ein Team von
ARD-Reportern in Dong Shi Gu massiv bedroht und tätlich angegriffen. Die vier
Reporter wollten ein Interview mit Bürgerrechtlern und Regimekritikern führen.
Es kam es
zu dem Angriff, als sich die Journalisten der ARD der Wohnung von Yuan Wie Jing
auf 20 Meter genähert hatten. Die ständig vor der Wohnung patrouillierenden
Polizisten schlugen auf die Reporter ein, drohten mit faustgroßen Steinen und
dem Ruf „Schlagt sie tot!“. Die drei Männer und eine Frau von der ARD ergriffen
daraufhin die Flucht.
In der
Verfassung der Volksrepublik China erhebt immer noch die KP Chinas den
Führungsanspruch, angeleitet durch den Marxismus-Leninismus und die
Mao-Zedong-Ideen.
Einen
demokratischen Kommunismus gibt es nicht. Kommunismus ist immer Diktatur, und wo
der Kommunismus längere Zeit geherrscht hat, hinterläßt er verbrannte Erde und
die Zerstörung von gewachsenen Strukturen. Dies hat das großartige chinesische
Volk mit seiner alten und reichen Kultur nicht verdient.
Die
Bürgerbewegung pro Köln befürwortet selbstverständlich die Städtepartnerschaft
mit Peking. Aber eine Reise nach Peking unmittelbar vor Beginn der Olympischen
Spiele ist nicht ein unterstützendes Signal für reformwillige Kräfte im Lande,
wie Herr Oberbürgermeister Schramma meint, indem er tut, als ob nichts wäre.
Schramma hätte gerade jetzt Gelegenheit, dem Regime in Peking dadurch ein
deutlich wahrnehmbares Zeichen zu geben, daß er China erst nach dem Ende der
olympischen Spiele wieder besucht.
Wir
meinen: Fritz Schramma sollte sich nicht vor den Karren der kommunistischen
Propaganda Pekings spannen lassen.