Ehrenfeld: Bezirks-Amt als Beute der
Parteipolitik
Kommunalpolitische Ämter werden in
Köln nach der jeweiligen Interessenlage der politischen Parteien vergeben.
Wie wenig dabei Qualifikation und Engagement in den jeweiligen Gremien eine
Rolle spielen, ist am 25. Februar 2008 in Ehrenfeld wieder einmal deutlich
geworden. Da wurde der agile und kommunalpolitisch seit Jahren
erfolgreiche stellvertretende Bezirksbürgermeister Jörg Uckermann abgewählt,
nachdem er bei der Führung seiner Partei, der CDU, in Ungnade gefallen und
mit einem Parteiausschlußverfahren überzogen worden war. Die
Mehrheitsfraktionen wählten ihn mitten in der Ratsperiode ab und ersetzten
ihn durch die CDU-treue Bezirksvertreterin Ursula Strobl.
Frau Strobl ist eine ehrbare ältere Dame.
Sie kann zwar dem Verlauf der Bezirksvertretungs-Sitzungen nicht immer so
schnell folgen wie Uckermann und andere, aber offenbar erscheint sie
trotzdem, oder vielleicht sogar gerade deshalb der CDU eher für das
stellvertretende Bezirksbürgermeister-Amt geeignet. Denn von ihr ist
keinerlei politischer Widerspruch zu erwarten – weder, wenn es um den Bau
der Groß-Moschee in Ehrenfeld geht, noch, wenn der undemokratische Umgang
mit Jörg Uckermann parteiintern diskutiert wird.
Uckermann wurde erst von der
Mitgliederversammlung der Ehrenfelder CDU als Ortsverbandsvorsitzender
wiedergewählt, dann mit einem Partei-Ausschlußverfahren belegt, in dessen
Rahmen das Ruhen seiner Mitgliedsrechte angeordnet wurde. Danach wählte die
Ehrenfelder CDU einfach einen neuen Vorsitzenden – Uckermann war nicht zur
Kandidatur zugelassen, insofern konnte es beim Wahlergebnis auch keine
„Überraschungen“ geben. Der Wille der Ehrenfelder CDU-Mitglieder spielte bei
alledem keine Rolle: ihnen wurde systematisch die Möglichkeit vorenthalten,
sich erneut für Uckermann als Ortsverbands-Vorsitzenden zu entscheiden.
Kommunale Mandate sind nominell von
Parteimandaten völlig unabhängig. Für die Abwahl Uckermanns als
stellvertretender Bezirksbürgermeister bestand keine sachliche Veranlassung.
Es gab keinen berechtigten Anlaß zur Kritik an seiner Amtsführung. Daß er
gehen mußte, war allein einem internen Ränkespiel bei der Kölner CDU
geschuldet, mit dem die Stadt Köln im Prinzip überhaupt nichts zu tun hat –
eine Form des Postenschachers, die für jedermann deutlich macht, wie
nachhaltig sich die Parteien „den Staat zur Beute gemacht“ haben, wie es der
Politikwissenschaftler Prof. Dr. Hans-Herbert von Arnim so treffend
formuliert hat.
Pro Köln ist bei der Kommunalwahl 2004
unter anderem mit einer Stellungnahme „gegen Kriminalität, Klüngel und
Korruption“ in den Wahlkampf gezogen. Als einzige politische Formation in
der Bezirksvertretung Ehrenfeld hat pro Köln den skandalösen Vorgang der
Abwahl Uckermanns kritisiert und diesbezüglich zu den Mehrheitsfraktionen
eine Gegenposition vertreten. Gäbe es pro Köln in den kommunalpolitischen
Gremien nicht, dann würde niemand an solchen Winkelzügen Kritik üben: denn
bei SPD, CDU, Grünen und FDP werden derartige politische Umgangsformen
offenbar als völlig normal und angemessen bewertet.