Furcht vor pro Köln
Die Sitzung des Rates am 29. Mai 2008 ließ
erkennen, daß bei den Altparteien bereits weit im Vorfeld der Kommunalwahl 2009
die Nerven blank liegen, wenn es um pro Köln geht. Die FDP-Fraktion hatte
einen Antrag auf „Einrichtung einer Info- und Bildungsstätte gegen
Linksextremismus“ eingebracht und dabei kritisch auf die Linkspartei Bezug
genommen, deren Ratsfraktion immer wieder SPD und Grünen zu Mehrheiten verhilft.
Dabei kam eine Diskussion auf über die Frage, welche Oppositionspartei den
etablierten Kräften bei der Wahl am 7. Juni 2009 mehr Wählerstimmen wegnehmen
wird. Fazit: Die Altparteien fürchten pro Köln als Konkurrent weit mehr als die
Linkspartei und trauen der Bürgerbewegung ein sehr gutes Wahlergebnis zu.
Die Durchführung einer Aktuellen Stunde über
die unverschämten Forderungen der Spitzen von CDU, SPD, Grünen und FDP nach mehr
Geld für die Kölner Kommunalpolitiker konnte von den Mehrheitsfraktionen
abgelehnt werden, weil auch SPD und Grüne sowie die CDU jeweils Themen für eine
Aktuelle Stunden vorgeschlagen hatten und immer nur ein Thema behandelt werden
muß. Debattiert wurde über die finanzielle Unterversorgung von
Tageseinrichtungen für Kinder in Köln – leider ohne ein konkretes Ergebnis.
Die Ratsanträge der Fraktion pro Köln wurden
sodann – wie üblich – abgelehnt. Weder wollen sich die Mehrheitsfraktionen auf
eine konzertierte Aktion gegen osteuropäische Diebesbanden einlassen, die in der
Innenstadt ihr Unwesen treiben, noch den Oberbürgermeister auffordern, mit
Rücksicht auf die Menschenrechts-Situation in China erst nach den olympischen
Spielen wieder ins Reich der Mitte zu reisen. Dreieinhalb neue Stellen für die
Öffentlichkeitsarbeit des Oberbürgermeisters sind ihnen wichtiger als die
Instandsetzung der Radwege in Köln. Und daß das EL-DE-Haus einen
linksextremistischen Newsletter versendet hat, wollen nicht nur Linkspartei,
Grüne und SPD, sondern auch CDU und FDP nicht rügen.
Skandalös fiel die Antwort der Verwaltung auf
eine Anfrage der Fraktion pro Köln nach der unrechtmäßigen Auszahlung von
Sozialleistungen an Personen aus, die im Ausland heimlich Immobilien besitzen.
Solche Fälle gibt es zwar, aber die Stadt Köln registriert sie nicht. Sie hat
deshalb über das Ausmaß des Problems keinen Überblick.
Interessant war dagegen die Auskunft der
Verwaltung, sie rechne bei unrechtmäßigen Abfallgebühren-Bescheiden, die
teilweise gerichtlich beanstandet worden sind, mit einer Korrektur im Bereich
von etwa fünf Prozent nach unten. Ob das tatsächlich ausreicht, sei
dahingestellt. Nachdem pro Köln nachgehakt hat, will die Verwaltung jetzt noch
mitteilen, wie viele Bescheide in dem fraglichen Zeitraum insgesamt ergangen
sind. So bringt die Bürgerbewegung pro Köln ein Stück weit Licht ins Dunkel des
immer noch nicht ausgestandenen Teils der Müllaffäre, für die viele Kölner über
zu hohe Müllgebühren zur Kasse gebeten worden sind.
Wäre pro Köln nicht im Rat vertreten, dann
hätte niemand die Verwaltung nach dem Anteil der unrechtmäßig erhobenen
Abfallgebühren befragt. Viele Ratsmitglieder von CDU und SPD waren nicht im
Ratssaal, als die pro-Köln-Anfrage beantwortet wurde. Wie die Stadt mit ihren
Bürgern umspringt, interessiert diese Volksvertreter offenbar nicht.