Kölns politische Klasse im Glück
Eine amtierende und eine ehemalige Säule
des kölschen Politklüngels können den Wonnemonat Mai in diesem Jahr nicht nur
des schönen Wetters wegen genießen. Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU)
hat eine bedeutende multi-kulturelle Auszeichnung erhalten, die ihm gewiß sehr
wichtig sein wird. Gustav Adolf Schröder (ehemals SPD) zahlt lediglich die
Bagatelle einer Geldauflage in sechsstelliger Höhe – also mindestens 100.000
Euro -, um eine Einstellung der gegen ihn gerichteten Strafverfahren wegen des
Verdachts der Steuerhinterziehung und der Vorteilsannahme zu erreichen.
Kölner Finanzbeamte kamen zu der Überzeugung,
Schröder habe ein 639 qm großes Grundstück in Junkersdorf von einer
Sparkassen-Tochter weit unter Wert gekauft und infolgedessen auch zu wenig
Grunderwerbssteuer gezahlt. Aber das will jetzt, wie in Köln üblich, niemand
mehr so genau wissen. Der Mann hat gezahlt, also wird er in Frieden gelassen.
Bewiesen ist damit nichts.
Indessen: Würden Sie 100.000 Euro oder mehr
für die Einstellung eines Strafverfahrens zahlen, wenn sie zu unrecht einer
Straftat beschuldigt worden wären und ein reines Gewissen hätten? Nicht?
Komisch, wir auch nicht … aber wir werden uns selbstverständlich hüten, aus
unseren eigenen, vielleicht ja gar zu simpel gestrickten Neigungen
Schlußfolgerungen zu ziehen, die wir etwa auf die kölsche Klüngel-Größe Schröder
beziehen.
Fritz Schramma durfte am Montag wieder einmal
das tun, was er besser kann als alle anderen. Er nahm an einer feierlichen
Veranstaltung teil, diesmal in Solingen. Auf den Kölsch-Genuß mußte er
allerdings ausnahmsweise verzichten, denn obwohl die Veranstaltung feierlich
war, gab es nichts zu feiern. Denn verliehen wurde der von einer
deutsch-türkischen Organisation gestiftete Genc-Preis für Versöhnung, den
Schramma insbesondere deshalb erhielt, weil er sich für den Bau der
DITIB-Großmoschee in Ehrenfeld stark gemacht hat. Der Preis ruft den
verbrecherischen Brandanschlag auf das Haus der Familie Genc in Solingen vor 15
Jahren in Erinnerung.
Nicht die Preisverleihung an Schramma, aber
die von Integrationsminister Armin Laschet (CDU) in seiner Laudatio vorgetragene
Begründung, Schrammas Engagement für die DITIB-Moschee sei im Zusammenhang mit
dem Brandanschlag von Solingen Ausdruck einer „Haltung der Versöhnung“, kann nur
als Skandal bewertet werden.
Mangelt es etwa jenen Kurden, die den
Großmoschee-Bau kritisieren, an der nötigen Distanz zu dem Verbrechen von
Solingen? Oder muß jetzt etwa Ralph Giordano befürchten, zu den heimlichen
Sympathisanten dieser Untat gezählt zu werden, weil er sich in Sachen
Groß-Moschee „unversöhnlich“ zeigt?
Was hat der Brandanschlag von Solingen mit
dem Bau der DITIB-Großmoschee zu tun? – Nichts! Hier eine Verbindung
herzustellen, läuft auf eine erneute, ungeheuerliche Diffamierung der
Moscheebau-Kritiker hinaus und auf eine Wiederholung des Versuchs, hinsichtlich
dieses Mega-Bauprojektes nur eine bestimmte Sicht der Dinge, nämlich die der
Moscheebau-Befürworter, als demokratisch und menschlich legitim erscheinen zu
lassen.
Selbstverständlich hat Schramma Laschets
Laudatio mit keiner Silbe kritisiert. Er gefällt sich eben in der Rolle des
Gutmenschen, der sich nicht damit begnügt, den Zeitgeist zu berücksichtigen: er
eilt ihm voraus und setzt sich an seine Spitze.
Gustav Adolf Schröder hat solche Untiefen des
politischen Alltags längst hinter sich gelassen. Ihn ziert eine blütend weiße
Weste, ihm kann niemand etwas. Schramma wird wohl noch manche Feierlichkeit
mitmachen und viele peinliche Lobreden anhören müssen, bevor er auf Schröders
Niveau angekommen ist. In Köln nennt man das „Karriere machen“.
Haben die Kölner nichts Besseres verdient als
diese politische Klasse?