Die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün gehört zu den aggressivsten
Befürwortern des Baus einer repräsentativen Groß-Moschee der
türkisch-islamischen Union DITIB in Ehrenfeld. Falls dieses
Großprojekt, das die DITIB in Deutschland massiv stärken und legitimieren
würde, tatsächlich umgesetzt werden sollte, gäbe es eine kleine Handvoll
Kölner, die sich „rühmen“ könnten, dafür die Verantwortung zu tragen. Das
sind: Die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD, Grünen und FDP im Kölner
Stadtrat, Oberbürgermeister Fritz Schramma, der Ehrenfelder
Bezirksbürgermeister Josef Wirges - und Lale Akgün, die sich als
Bundestagsabgeordnete überregional für die Interessen der DITIB engagiert
hat.
Ausgerechnet Frau Akgün äußert nun in denkbar heuchlerischer Form Kritik an der
DITIB. Sie verlangt eine Distanzierung der türkisch-islamischen Vereinigung von
der Religionsbehörde in Ankara, die von türkischen Frauen – auch von denen, die
in Deutschland leben – züchtige Bekleidung im Sinne der Vorschriften des Koran,
den Verzicht auf Flirts, Parfum und eine eigene berufliche Karriere sowie auf
Reisen ohne männliche Begleitung verlangt. Sowohl die DITIB, als auch die von
der streng-islamischen AKP getragene türkische Regierung geben den Frauen eine
Orientierung an den Geboten des Koran auf.
Dies
indessen ist ebensowenig neu wie die enge Anlehnung der DITIB an die Interessen
und politisch-religiösen Vorgaben der Regierung in Ankara. Lale Akgün wußte, als
sie ihr Engagement für die Groß-Moschee aufnahm, ganz genau, daß es sich bei der
DITIB um eine Organisation handelt, die von der türkischen Regierung gegründet
worden ist. Ihr war klar, daß diese Regierung es nicht gern sieht, wenn sich
Frau Akgün ohne männliche Begleitung von ihrer Wohnung über eine Distanz
entfernt, die größer ist als jene Strecke, die eine Kamelkarawane an einem Tag
zurücklegen kann. Innerhalb des islamischen Koordinatensystems mag eine
Diskussion zulässig sein über die Frage, ob bei der Definition dieser Strecke
die Besonderheiten des Kölner Straßenverkehrs, der die Karawane vor gewisse
Herausforderungen stellen dürfte, zu berücksichtigen sind oder der Einfachheit
halber die Reiseverhältnisse im mediterranen Raum vor 500 Jahren als Maßstab
herangezogen werden dürfen. Daß indessen kein gläubiger Moslems die insgesamt
unislamische Lebensweise der Frau Akgün gutheißen kann, war der
Dame bereits klar, bevor sie sich stark gemacht hat für ein
Islamisierungsprojekt, in dessen Rahmen für viele tausend muslimische Frauen in
Köln Anforderungen zementiert werden, die nicht ins 21. Jahrhundert passen.
Wer die
Gleichberechtigung von Mann und Frau behauptet, muß den Großmoschee-Bau
ablehnen. Weil Lale Akgün nicht bereit ist, diese von der Vernunft gebotene
Konsequenz zu ziehen, ist sie mit ihrem gesamten übrigen politischen Programm
unglaubwürdig geworden.