Jüdisches Museum: Und plötzlich sind alle
dagegen
Wie sich die Stimmungslagen in der Kölner
Kommunalpolitik doch verändern können! Bis vor wenigen Wochen noch waren die
Fronten klar: Pro Köln, die Anwohner vor Ort und ein nie genau gemessener, aber
doch offenbar erheblicher Teil der Gesamtbevölkerung unserer Stadt lehnte die
Bebauung des Rathausvorplatzes mit dem riesigen Klotz eines Museums der
jüdischen Geschichte und Kultur ab. Die Rathausparteien, allen voran
Oberbürgermeister Fritz Schramma, befürworteten das Projekt. Doch dann kippte
die Stimmung. Und zwar genau in dem Moment, in dem die Sache konkret wurde.
Das Architekturbüro Wandel Hoefer, Lorch &
Hirsch setzte sich mit einem wuchtigen Entwurf für das Großprojekt durch. Die
Planer lieferten eine Skizze des künftigen Rathausvorplatzes ab, die offenbar
den Fehler hatte, zu gut zu sein. Das heißt: Sie ist zu realistisch. Plötzlich
fällt es den politischen Verantwortlichen wie Schuppen von den Augen: So also
soll unser Rathausvorplatz in Zukunft aussehen? Da wird einem ja ganz anders!
Prompt setzte sich Fritz Schramma an die
Spitze der Gegenbewegung und fiel um: Der Entwurf sage ihm nicht zu, ließ der
Oberbürgermeister verlauten. So solle nun doch nicht gebaut werden.
Falls dieses Wort des Oberbürgermeisters das
letzte in der Sache sein sollte – was es aber nicht sein muß, da ja Schramma
keine eigene Mehrheit im Stadtrat hat –, stellt sich die Frage: Wie geht es
weiter?
Naheliegend wäre es, den Rathausvorplatz frei
zu lassen und das Museum auf dem Gelände des ehemaligen Kaufhauses Kutz zu
errichten. Dieser Schandfleck neben dem Rathaus bietet sich für eine
Museums-Bebauung regelrecht an. Eine entsprechende Planung müßte allerdings mehr
oder weniger bei Null anfangen. Denn das Gelände ist völlig anders zugeschnitten
und ausgerichtet als der Rathausvorplatz – die Früchte der bisherigen
Planungsbemühungen kämen nicht einmal als erster Schritt in Richtung Neuplanung
in Frage. Sie müßten verworfen werden. Welch eine Verschwendung menschlicher
Kreativität und Arbeitskraft!
Solche Vorgänge sind für die Kölner
Kommunalpolitik typisch. Fehler werden frühestens dann eingestanden, wenn sie
sich nicht mehr wegdiskutieren lassen. Oder gar nicht, wie im Falle des Baus der
neuen Messehallen in Deutz, über den Schramma noch in der vergangenen Woche
verharmlosend sagte: „Es gibt keinen Messeskandal“.
Aber eine Fehlplanung bei Museumsbau gibt es scheinbar doch. Pro
Köln wird jetzt im Rat und in der Bezirksvertretung Innenstadt am Ball bleiben,
um die Verschandelung des Rathausvorplatzes zu verhindern!