Streusand für die Augen des Wählers
Manche politischen Verantwortlichen bei
CDU und SPD scheinen erkannt zu haben, daß die Bindungskraft ihrer Parteien
irreparabel beschädigt ist. Sie verlassen das sinkende Boot der Altparteien, um
unter falscher Flagge alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen. Einer von
dieser Sorte ist der ehemalige Kölner Schuldezernent Andreas Henseler, der vor
einiger Zeit aus der SPD ausgetreten ist. Obwohl nicht erkennbar ist, was er
in inhaltlicher Hinsicht politisch noch will, taucht sein Name in jüngster Zeit
wieder in den DuMont-Zeitungen und in der Berichterstattung des WDR auf. Denn
Henseler hat sich einer Splittergruppe angeschlossen, die als Freie
Wählervereinigung die Teilnahme an der Kommunalwahl 2009 anvisiert, um pro Köln
und pro NRW den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Henseler ist keineswegs vom Bürger mit
irgendeinem Mandat ausgestattet worden. Er hat für seinen undurchsichtigen,
sektenartigen Zusammenschluß kaum Anhänger. Mangels eines verbindenden
politischen Programms oder irgendwelcher ideeller Grundüberzeugungen ist die
Kölner Ratsgruppe seiner Wählervereinigung nach der Kommunalwahl 2004 rasch
zerfallen. Obwohl sie in allen Massenmedien hochgepuscht wurde und
Oberbürgermeister Fritz Schramma für sie sogar kurz vor der Wahl hilfreich ein
Wahlergebnis im Bereich von 10 Prozent der Wählerstimmen für vorstellbar
erklärte, gewann der Henseler-Verein gerade einmal zwei Ratsmandate. Das war
zwar zu wenig, um eine Fraktion zu bilden und auf die Kölner Kommunalpolitik
Einfluß zu nehmen, aber durchaus genug, um sich zu zerstreiten: eines der beiden
Ratsmitglieder kündigte die Zusammenarbeit mit dem anderen auf, und seither ist
der Henseler-Verein nur noch mit einem Einzelmandatsträger im Kölner Stadtrat
vertreten.
Liest man aber heute den Artikel „Freie
Wählergruppen rücken zusammen“ im „Kölner Stadt-Anzeiger“ oder sieht man sich
die WDR-Berichterstattung an, dann könnte man den Eindruck gewinnen, man hätte
es mit einer bedeutenden politischen Massenorganisation zu tun. Der WDR
berichtet sogar dreist, Henselers Wählergruppe säße mit zwei Mandaten im
Stadtrat. Das ist eine Übertreibung um genau 100 Prozent.
Warum ist die politische Nullnummer des
ehemaligen SPD-Granden Henseler für die Massenmedien so interessant? – Weil sie
ausdrücklich mit dem Ziel antritt, pro Köln und pro NRW bei der Kommunalwahl
2009 Wählerstimmen streitig zu machen!
Ausweislich der Berichterstattung des
„Stadt-Anzeiger“ besteht das Programm der Wählervereinigung aus der Forderung
nach einer sparsamen Haushaltspolitik, einer stärkeren Bürgerbeteiligung sowie
mehr Transparenz. Aha. Dafür sind wir natürlich alle. Und das sogar
parteiübergreifend. Dafür bedarf es nicht des Henseler-Vereins.
Die von früheren Anhängern der Altparteien
ins Leben gerufene Wählervereinigung wird offenbar mit Blick auf die
Kommunalwahl 2009 als politikfreie Konkurrenz zu pro Köln und pro NRW in
Stellung gebracht. Sie soll Unzufriedene an sich binden, ohne einen anderen Weg
aufzuzeigen als den, den ihre Gründer vorher bei der SPD, der CDU oder den
Grünen gegangen sind.
Ob der Wähler sein Kreuz bei den Altparteien
macht oder bei der von ehemaligen Akteuren der Altparteien ins Leben gerufenen
Wählergruppe läuft auf’s gleiche hinaus: Henselers Wählervereinigung ist ein
Etikettenschwindel. Er soll der politischen Konkursverschleppung von CDU und SPD
dienen. Ein leicht durchschaubares Manöver, auf das bereits bei der Kommunalwahl
2004 nur eine Handvoll leichtgläubiger Leser der DuMont-Zeitungen hereingefallen
ist!