Josef Wirges läuft Amok
Der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef
Wirges (SPD) hat im Umgang mit pro Köln endgültig die Nerven verloren. Jetzt
schließt er Jörg Uckermann, den Vorsitzenden der pro-Köln-Fraktion in seiner
Bezirksvertretung, per Dekret von der Teilnahme an der Bezirksvertretungssitzung
am 16. Juni 2008 aus. Seit der letzten Sitzung hat sich zwar in sachlicher
Hinsicht nichts geändert. Auch hat keineswegs irgendein Gremium den Ausschluß
Uckermanns von der Juni-Sitzung der Bezirksvertretung beschlossen. Zudem hatte
Uckermann selbstverständlich bislang noch keine Gelegenheit, in der ja erst
übernächste Woche terminierten Sitzung in einer Art und Weise aktiv zu werden,
die Wirges als Vorwand für seinen erneuten Ausschluß heranziehen könnte.
Statt dessen verfügt der „Bezirkskönig“ von
Ehrenfeld kraft eigener Herrlichkeit, Uckermann sei nach den Vorfällen in der
letzten Sitzung „automatisch“ von der Teilnahme an der nächsten Sitzung
ausgeschlossen. „Sollten Sie widerrechtlich versuchen an der Sitzung
teilzunehmen, bin ich leider gezwungen, Sie des Saales zu verwiesen“, schreibt
Wirges dem gewählten Volksvertreter Uckermann.
Allerdings will Wirges für dieses Verdikt,
immerhin, am 16. Juni die Zustimmung der Mehrheitsfraktionen der
Bezirksvertretung Ehrenfeld einholen. Die wird er fraglos bekommen. Denn denen
wäre es selbstverständlich am liebsten, sie blieben in allen Gremien der
kommunalen Selbstverwaltung von jeglicher Opposition verschont und könnten wie
in den Jahren vor 2004 ungestört weiterklüngeln.
Wo kommen wir hin, wenn ein
Bezirksbürgermeister, gestützt auf Mehrheitsfraktionen, die offenbar die
parlamentarische Demokratie ablehnen, präventiv seinen schärfsten Kritiker von
der Teilnahme an einer Bezirksvertretungs-Sitzung ausschließen kann?
Pro Köln hat gegen diesen Willkürakt das
Verwaltungsgericht angerufen. Zudem steht Fritz Schramma als Oberbürgermeister
nunmehr in der Pflicht, den Amoklauf des Josef Wirges zu stoppen. Denn der macht
aus der Bezirksvertretung Ehrenfeld ein Narrenhaus und bringt die Kölner
Kommunalpolitik in Verruf – soweit es diesbezüglich noch einen letzten Rest an
„gutem Ruf“ geben sollte, der beschädigt werden könnte.
Rätselhaft bleibt, was Wirges mit seiner
offensichtlichen Willkür bezweckt. Aber wahrscheinlich hieße es, den Mann zu
überschätzen, wenn man hinter seinem Verhalten allzu viel Kalkül vermuten würde.
Uckermann war jahrelang Wirges Stellvertreter im Amt des Bezirksbürgermeisters.
Er ist dem SPD-Amtsinhaber nicht nur politisch, sondern auch rhetorisch um
mindestens drei Kategorien überlegen. Kein Wunder, daß sich Wirges vor Uckermann
fürchtet und „seine“ Bezirksvertretungs-Sitzungen lieber ohne den lästigen
Fraktionsvorsitzenden von pro Köln durchführen würde: Wirges ist Uckermann nicht
gewachsen und schlägt deshalb wild um sich. Welch ein Armutszeugnis für die
Kölner SPD und für die gesamte kommunalpolitische Klasse!