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7. November 2005:

Die verschwundene Fraktion

Seit in Köln die große Koalition zwischen CDU und SPD geplatzt ist, berichten die örtlichen Medien ausführlich über die politische Lage und die Situation im Stadtrat. In den Kölner Tageszeitungen, im Lokalradio und im WDR-Fernsehen werden die Ratsfraktionen vorgestellt und zur weiteren Entwicklung befragt. Sogar die PDS, die noch nicht einmal Fraktionsstatus hat, wird ins Spiel gebracht. Nur über eine Stadtratsfraktion sucht man vergebens Informationen: Pro Köln scheint es nicht zu geben, die Bürgerbewegung ist völlig von der Berichterstattung ausgeklammert. Die Leser und Zuschauer könnten meinen, es gäbe nur vier Ratsfraktionen, obwohl pro Köln natürlich umgehend Presseerklärungen zur neuen Koalitionsbildung verschickt hat und jederzeit zu weiteren Auskünften bereit wäre. Aber was der Kölner Journaille nicht ins politische Weltbild paßt, das wird totgeschwiegen.

Wenn man sehen will, wie es auch anders geht, muß man schon weit in die Ferne blicken: In der renommierten österreichischen (!) Tageszeitung „Der Standard“ gab es dieser Tage einen Hintergrundbericht zu der Kölner Koalitionskrise. In journalistisch einwandfreier Weise erläutern die Redakteure die komplizierte politische Lage. Zur Zusammensetzung des Kölner Rates heißt es dabei u.a.: „Vier Räte gehören der rechten Gruppe Pro Köln an.“ – Aha, wo kommen die denn auf einmal her, möchte man als fleißiger Leser der Kölner DuMont-Blätter fragen.

Als Fazit kann man festhalten: Um einen objektiven Bericht über die Kölner Kommunalpolitik lesen zu können, muß man sich anscheinend im „neutralen Ausland“ informieren. Denn die Zustände in Köln wie in ganz Deutschland erinnern immer mehr an eine „gelenkte Demokratie“, wo von einer fairen Berichterstattung nicht mehr die Rede sein kann. Wer erleben will, wie die Medien bei politischen Angelegenheiten die Wahrheit manipulieren, Fakten unterschlagen und Oppositionsgruppen totschweigen oder verleumden, der braucht nicht erst nach Weißrußland oder China zu gehen. Der kann ruhig auch hier in Köln bleiben!

 

 
 
 

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