|
5. November 2005:
Geschacher um Geld und Posten
Die große Koalition aus CDU und SPD ist
geplatzt – vorerst nur in Köln. Beim Streit, der zwischen den Koalitionären
entbrannte, ging es nicht um Sachfragen, ja, die früheren Bündnispartner haben
bezeichnenderweise noch nicht einmal versucht, ihr Zerwürfnis an irgendeinem
politischen Thema aufzuhängen. Der Streit ging vielmehr ausschließlich um die
Verteilung der Posten und Pöstchen, um die Befriedigung von Geldgier und
Eitelkeiten der (un-)verantwortlichen Politiker. Beide Lager haben den Hals
nicht voll genug bekommen, und jetzt beschuldigen sie sich gegenseitig, ihre
jeweiligen partikularen Belange über die Interessen der Stadt zu stellen. Die
Vorwürfe treffen auf CDU und SPD gleichermaßen zu. Selbst vor dem Hintergrund
des im nächsten Jahr drohenden Nothaushaltes, des Messeskandals und der
lähmenden Führungslosigkeit der Stadt gibt es in den Spitzen von CDU und SPD
niemanden, der sich verantwortlich fühlen würde für die Abwendung der in großen
Schritten herannahenden Katastrophe.
Was für Politiker haben die Kölner 2004 ins
Rathaus gewählt! Die Fraktionsvorstände von CDU und SPD setzen sich in Szene als
ein jämmerliches Aufgebot eitler Nullen, die den Normalbürger im Stich lassen
und statt dessen nur noch ihren persönlichen Vorteil im Blick haben.
Das wird auch beim Versuch der
„Krisenbewältigung“ sichtbar. An die Stelle von Schwarz-Gelb soll eine „Jamaika“-Koalition
aus CDU, FDP und Grünen treten. Deren Fraktionen haben zusammen die Mehrheit im
Rat. Aber auch für die „Jamaika“-Lösung spielen Geld und Posten eine wichtige
Rolle. Der „Express“ zitiert CDU-Oberbürgermeister Fritz Schramma mit dem
Vorschlag: „Die neuen Partner werden sicher fordern, in der Stadtspitze
vertreten zu sein. Das ist legitim. Ich kann mir vorstellen, daß die FDP einen
Bürgermeister-Posten bekommt. Es könnte auch sein, daß sie einen guten
Wirtschaftsdezernenten stellt.“ Der Wind weht also immer noch aus derselben
Richtung. Auch für „Jamaika“ ist die Sachpolitik offenbar nachrangig.
Derzeit halten CDU, SPD und Grüne jeweils ein
Bürgermeister-Amt inne. Die Bürgermeister helfen dem Oberbürgermeister beim
Repräsentieren – sie eröffnen hier mal einen Empfang mit Sekt und stoßen dort
mal mit Kölsch bei einer Ausstellung an, und zur Krönung steht gelegentlich eine
erlebnisreiche Auslands-Reise in ihrem Terminkalender. Das ist nicht direkt
nützlich für den Kölner Steuerzahler, aber eine feine Sache für die
Repräsentierenden. Es hieße, die Mentalität der kölschen Politelite zu
verkennen, wenn man annehmen würde, von den drei Glücklichen, die einen
Bürgermeister-Posten ergattern konnten, würde nun etwa einer freiwillig seinen
Stuhl räumen, um Platz für einen FDP-Bürgermeister zu machen. Nein, da müßte
wohl ein vierter Bürgermeister-Stuhl aufgestellt werden – von denen übrigens
jeder die Stadtkasse jährlich mit einem sechsstelligen Betrag belastet. Aber den
zahlt doch der dumme Steuerzahler, und der hat’s ja! – Eine Bagatelle im
Vergleich zu den Millionenbeträgen, die die Stadtspitze bei anderen
Gelegenheiten in den Sand gesetzt hat!
Das Geschacher geht weiter. Selbst unter
einem Nothaushalt wird den Klüngelbrüdern Sekt und Kölsch nicht ausgehen. Sie
tun einfach so, als sei überhaupt nichts passiert. Als hätten sie nicht schon
längst die Stadt in Grund und Boden gewirtschaftet, als stünden sie nicht vor
einem Scherbehaufen, den sie mit den Folgen ihrer Dummheit und ihrer Ignoranz
aufgetürmt haben.
Ein
Haifischbecken gleicht dagegen einer passablen Schwimmgelegenheit mit hoher
Überlebenschance. Daß der Kölner Haushalt ins Trockene gerettet werden kann,
glaubt im Rathaus wohl kaum noch jemand. Schuld sind dann nach offizieller
Darstellung wahrscheinlich die Düsseldorfer – oder die Bundesregierung in
Berlin.
FDP und Grüne haben
grundsätzlich bereits Interesse an „Jamaika“ signalisiert. Sie werden gewiß
nicht allzu viele Sachforderungen stellen. Warum auch sollten die Unterschiede
zwischen der bürgerlichen Grünen Barbara Moritz, dem liberalen Schwarzen Winrich
Granitzka und dem bürgerlichen Liberalen Rolf Sterck unüberwindlich sein? Sie
werden sich schon einig werden, solange es noch irgend etwas zu verteilen gibt …
auf unser aller Kosten!
|