20. Dezember 2005:
Schleppende Aufklärung
Seit über vier Monaten
ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft nun schon wegen des Messeskandals gegen
Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU). Noch ein bißchen länger beschäftigt sich
der Regierungspräsident Hans-Peter Lindlar, ebenfalls CDU, mit dem
skandalträchtigen Bau der neuen Messehallen. Die ursprünglich bis Ende dieses
Jahres angekündigten Ergebnisse stehen aber immer noch aus. Abschließende
Beurteilungen könnten jetzt auf einmal erst irgendwann im nächsten Jahr
erfolgen. Dem politischen Beobachter fällt auf, daß hier die Mühlen der Justiz
noch langsamer als üblich mahlen. Allzu schleppend wird an der Aufklärung der
Vorwürfe gearbeitet, wobei sich die Stadt Köln laut Presseberichten nur als
wenig hilfsbereit erweist. Aber hätte nicht gerade der unter Verdacht stehende
Oberbürgermeister Schramma ein großes Interesse daran, die Sache baldmöglichst
aus der Welt zu schaffen?
Doch auch Schramma zeigt
wenig Elan. Als Oberbürgermeister und Aufsichtsratschef der Koelnmesse wäre es
ihm ein leichtes, die vom Regierungspräsidium benötigten Unterlagen unverzüglich
weiterzuleiten. Die „Rundschau“ berichtet dagegen, daß genau das nicht erfolgt.
Die Zuständigkeiten werden von der Messe auf die Stadtverwaltung und wieder
zurück geschoben; ein Spiel, das wir schon von den entsprechenden Ratssitzungen
her kennen. Den Regierungspräsidenten Lindlar ficht das offensichtlich wenig an.
Sein Aufklärungsdrang scheint – vorsichtig ausgedrückt – nicht allzu ausgeprägt
zu sein. Das Interesse der Öffentlichkeit an raschen Ermittlungsergebnissen
spielt nur eine untergeordnete Rolle.
Ebenso wie bei der Kölner
Staatsanwaltschaft: Gerade mal ein Staatsanwalt ist mit den umfangreichen
Untreue-Ermittlungen beauftragt. Normal wäre bei den Dimensionen dieses Skandals
eine staatsanwaltschaftliche Ermittlungsgruppe mit jede Menge Personal und
Ressourcen. Schließlich geht es um bis zu 360 Millionen Euro veruntreute
öffentliche Gelder! Doch für die Kölner Staatsanwaltschaft scheint der Fall nur
die Bedeutung eines Bagatelldeliktes zu haben, die Ermittlungen ziehen sich
ergebnislos dahin. Warum wohl?
Fest steht, daß das
öffentliche Interesse im Laufe der Zeit abnimmt. Die anfängliche Empörung legt
sich langsam. Die Aufregung bei einer eventuell fragwürdigen Einstellung des
Verfahrens wird in einigen Monaten wesentlich geringer sein als jetzt. So ist
nunmal die Natur von politischen Skandalen. Wie man erfolgreich Dinge
„aussitzen“ kann, hat schon unser Altbundeskanzler Helmut Kohl, ebenfalls CDU,
des öfteren erfolgreich vorgemacht. Diese politischen Gesetzmäßigkeiten kennen
auch Oberbürgermeister Schramma, Regierungspräsident Lindlar und die
Verantwortlichen in der Kölner Staatsanwaltschaft. Schlußfolgerungen aus diesen
Umständen muß jeder selbst ziehen – die Gedanken sind frei!
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