16. Dezember 2005:
Totschweigen, verschleiern, lügen
Wechselnde Mehrheiten
bestimmten gestern die Abstimmungen im Rat. Logischerweise wurde dadurch das
Verhalten der einzelnen Parteien umso interessanter. Der „Stadt-Anzeiger“
schaffte es aber trotzdem, pro Köln nicht mit einem einzigen Wort zu erwähnen.
Dabei muß man einigen DuMont-Redakteuren schon eine gewisse Kunstfertigkeit
beim manipulieren der Wahrheit zugestehen. Nur manchmal gab es logische Brüche,
etwa bei der Durchführung der „aktuellen Stunde“ zum Messeskandal: „auch“ die
Grünen-Fraktion hätte diese aktuelle Stunde beantragt, schreibt der
„Stadt-Anzeiger“. Die durch das Wort „auch“ zwangsläufig aufgeworfene Frage, wer
denn noch diese Fragestunde beantragt hat, bleibt unbeantwortet. Die Leser
werden hinters Licht geführt, der Antrag von pro Köln wird einfach
unterschlagen.
Noch dreister geht der „Express“, DuMonts Boulevardblättchen, vor: In einem
Beitrag werden acht Anträge von der gestrigen Ratssitzung aufgeführt und das
jeweilige Abstimmungsverhalten der Parteien vorgestellt. Doch, oh Wunder, pro
Köln scheint gar nicht im Rat zu sein! In der Traumwelt der „Express“-Schreiberlinge
gibt es die Fraktion der Bürgerbewegung einfach nicht, das Abstimmungsverhalten
von pro Köln wird nicht ein einziges Mal erwähnt. Und von der von pro Köln und
den Grünen beantragten Fragestunde zum Messeskandal wissen die „Express“-Beobachter
zu berichten: „SPD und Grüne wollten nochmals über die Klüngel-Vorwürfe
debattieren“ – ach so!
Den Vogel schoß aber diesmal das vermeintlich „konservative“ DuMont-Blatt
„Rundschau“ ab. Über das Thema Reiterstandbild erfuhren die „Rundschau“-Leser
folgendes: „SPD, Grüne, pro Köln und Die Linke beschlossen, daß die Verwaltung
die Neuanfertigung der Ratsfiguren in Auftrag geben soll und sie mit Mitteln für
das Reiterdenkmal bezahlen soll“. Eine glatte Lüge! Pro Köln hatte vielmehr
gegen den entsprechenden Passus im Grünen-Antrag gestimmt und einen eigenen
Änderungsantrag eingebracht, der die Finanzierung der Rathausfiguren eben nicht
mit den Mitteln für das Reiterdenkmal vorsah! Vielmehr sollten die
Rathausfiguren aus anderen Haushaltsposten bezahlt werden und die bereit
gestellten Mittel für das Reiterstandbild erhalten bleiben! Es ist schon
verrückt: Wenn pro Köln einmal nicht totgeschwiegen wird, wird das genaue
Gegenteil der Wahrheit berichtet, um pro Köln bei seinem Wählerklientel zu
schaden. Allerdings hat die „Rundschau“ mit dieser groben Falschdarstellung
offensichtlich die Grenze des zulässigen überschritten – rechtliche Schritte
werden bereits geprüft.
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