4. November 2005:
Ratspolitiker verhöhnen die Merkenicher Bürger
Die Arroganz der Macht
war bei der gestrigen Ratssitzung überdeutlich zu spüren: Obwohl im Vorfeld die
örtliche CDU und SPD in Köln-Merkenich selber für eine Schließung des
skandalträchtigen „Übergangsheimes“ Causemannstraße eingetreten sind, wollten
sie davon auf der Ratssitzung nichts mehr wissen. Sämtliche etablierten
Stadtratsfraktionen verweigerten sich sogar einer Diskussion zu dem Thema; der pro-Köln-Antrag auf Schließung des Heimes wurde ohne Abstimmung verworfen!
Lediglich die Sozialdezernentin Marlies Bredehorst hatte ihre verharmlosenden
Beschwichtigungsphrasen wiederholt, für die sie schon auf einer öffentlichen
Bürgerversammlung in Merkenich am 28. September ausgepfiffen worden war.
Der eigentliche Skandal
ist aber das Verhalten der Merkenicher Vertreter der Altparteien. Keiner setzte
sich für die Interessen der von den Heimbewohnern terrorisierten Merkenicher
ein. Der Chorweiler Bezirksvorsteher Hans Heinrich Lierenfeld (CDU) schwieg
eisern und hob brav die Hand, als es darum ging, den Antrag abzubügeln. Dabei
hatte Lierenfeld noch am Vorabend auf einer Demonstration der Merkenicher vor
dem Rathaus Verständnis für die Bürger geheuchelt! Zahlreiche anwesende
Merkenicher verließen deshalb demonstrativ den Ratssaal, nachdem sie zuvor noch
den pro-Köln-Antrag auf Schließung des Heimes mit Beifall quittiert hatten. Die
pro-Köln-Fraktionsvorsitzende Judith Wolter hatte in ihrer Rede u.a. aus einem
Appell der Merkenicher Altparteien und des ihnen nahestehenden Bürgervereines
zitiert, der durchaus zutreffend die schlimmen Zustände rund um das
„Übergangsheim“ schildert, welches überwiegend von Roma und Sinti bewohnt wird.
Aber eben jene Altparteien sprechen in dieser Frage mit gespaltener Zunge: Vor
Ort Verständnis und Unterstützung heucheln, im Rat alles abbügeln und jede
Diskussion über Merkenich verhindern.
Dieser Taktik diente auch
die vom Vorsitzenden des Bürgervereins, Alfred Becker (SPD), mitinitiierte
Terminverlegung der Merkenicher Demonstration auf den Vorabend der Ratssitzung:
Denn eine spätabendliche Versammlung mit zweitrangigen Politikern vor dem leeren
Rathaus kann natürlich kaum mediale Aufmerksamkeit erzeugen. Wie man es besser
machen kann, zeigten auf der gestrigen Ratsitzung die Beschäftigten, Eltern und
Kinder der Kölner Kinderhorte: Zum achten Mal in Folge demonstrierten sie
unmittelbar vor der Ratssitzung und ließen die Stadträte ihren Protest hautnah
erleben! Bei einer solchen Willensbekundung der Merkenicher Bürger könnten sich
auch die etablierten Parteien einer Diskussion über die Zustände rund um das
„Übergangsheim“ nicht entziehen. Gerade bei politisch nicht „korrekten“ Themen
bleibt in Köln die Erkenntnis: Ohne den richtigen Druck von der Straße bewegen
sich die Altparteien keinen Millimeter; und pro Köln alleine hat leider (noch) nicht die
parlamentarische Mehrheit.
Ebenfalls von pro Köln
angesprochen wurden auf der Ratssitzung die Planungen zu den Großmoscheebauten
in Porz und Ehrenfeld. Zum diesbezüglichen Architekturwettbewerb der
türkisch-islamischen Union DITIB konnte die Fraktion pro Köln zum ersten Mal
eine aktuelle Stunde durchsetzen. Pro-Köln-Stadtrat Manfred Rouhs wies dabei
darauf hin, daß Großmoscheen nicht der Integration dienen, sondern zur
Verfestigung der Parallelgesellschaften beitragen. Ein Antrag gegen die
Moscheebaupläne in Porz wurde von den Altparteien abgelehnt.
Für die Kölner Gaskunden
wollte pro Köln in einem weiteren Antrag erreichen, daß die Rheinenergie AG ihre
Gaspreiskalkulation offenlegen soll. Zum Hintergrund: In den letzten Monaten
wurden die Gaspreise mehrmals erhöht, stets unter Verweis auf die angeblich
höheren Einkaufspreise auf dem Weltmarkt. Genau das bezweifeln aber viele
Verbraucherschutzverbände, die glauben, daß die Konzerne die Ölpreisbindung nur
für ihre Gewinnmaximierung ausnutzen würden. Der Vorstandschef der Rheinenergie
AG, Helmut Haumann, erwiderte in einem ausführlichen, aber wenig
aussagekräftigen Redebeitrag, daß die Offenlegung der Preiskalkulation nicht in
Frage käme. Und überhaupt würde die Rheinenergie AG an ihre Kunden noch nicht
einmal die vollen Preissteigerungen weitergeben. Auf den Einwand von Manfred
Rouhs, daß er dann einer Offenlegung der Preiskalkulation ja ohne Bedenken
zustimmen könnte, wußte Haumann nichts mehr zu erwidern. Die etablierten
Klüngelfraktionen stellten sich - wie zu erwarten war - schützend vor den
Energieriesen und ließen die gebeutelten Kölner Verbraucher im Regen stehen.
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