16. Dezember 2005:
Chaos im Rat:
Jeder
gegen jeden und alle gegen pro Köln!
Was für eine Sitzung!
Weil sich CDU und SPD derzeit wegen der Aufteilung der städtischen Pfründe und
Versorgungsposten nicht einig sind, zankten sie sich auch im Rat weiter. So gab
es in der elfstündigen Marathonsitzung eine wahre „Sternstunde“ der Kölner
Kommunalpolitik: Jeder gegen jeden und alle gegen pro Köln! Auf diesen
einfachen Nenner könnte man das gestrige Polittheater bringen. Nutznießer dabei
sind vor allem die Postkommunisten der PDS, die erstmals Entscheidungen mit
Hilfe der „kölschen Volksfront“ von SPD, Grünen und PDS durchsetzen konnten.
Hilflos und konfus dagegen die CDU, die scheinbar nur noch bei ihrer Hetze gegen
pro Köln mehrheitsfähig ist. Höhepunkt dieser Auseinandersetzung mit der
einzigen konsequenten Opposition im Rat war die Debatte um den Bau der
DITIB-Großmoschee in Ehrenfeld. CDU-Fraktionschef Winrich Granitzka bekundete
seinen „Ekel“ über die Aufklärungsarbeit von pro Köln im Veedel. Kein Wunder,
schließlich sind auch die meisten CDU-Wähler in Ehrenfeld gegen das islamische
Zentrum samt Kuppeln und Minaretten!
Die Moscheedebatte war
einer der Punkte, bei denen sich die Altparteien über alle Grenzen hinweg wieder
einig waren. Das gehört offensichtlich zum Ehrenkodex der Etablierten: Streit
nur beim Schachern um Geld und Pöstchen, Einigkeit dagegen beim Einsatz für die
multikulturelle Gesellschaft und gegen die Interessen der Einheimischen. Nach
dieser Devise traten Vertreter sämtlicher Altparteien brav ans Mikrofon und
bekundeten eilfertig ihre Unterstützung für die weitere Islamisierung
Ehrenfelds. Besonders empört zeigten sich CDU, SPD und Co. von den
pro-Köln-Flugblattaktionen vor Ort. Bezirksvorsteher Josef Wirges kündigte sogar
eine massive städtische PR-Kampagne zu Gunsten des Bauvorhabens der
türkisch-islamischen Union DITIB an. Ob es da etwa Proteste aus der
einheimischen Bevölkerung gegeben hat? Weiter betonten Vertreter der alten
politischen Kräfte, daß sie sich für die Wiedereinführung der Sperrklausel bei
den nächsten Kommunalwahlen einsetzen wollen, damit sie endlich von pro Köln
befreit würden. Pro-Köln-Stadtrat Manfred Rouhs empfahl daraufhin den
etablierten „Volksvertretern“, die Sperrklausel nicht zu niedrig anzusetzen. „Wenn
sie auf der sicheren Seite sein wollen, dann rate ich Ihnen zu einer
Sperrklausel bei 20 Prozent der Wählerstimmen!“
Zuvor hatte es eine
zweistündige Debatte wegen den neuen Vorwürfen zum Messeskandal gegeben. Pro
Köln und die Grünen hatten dazu eine aktuelle Stunde beantragt. Gegen den Willen
der CDU debattierte der Rat anschließend über die dubiosen Geschäfte der Stadt
mit dem Oppenheim-Esch-Fonds. Allerdings nahm diese Auseinandersetzung schon
groteske Züge an. Obwohl im Jahr 2003 sämtliche etablierten Ratsfraktionen für
den Deal mit Oppenheim-Esch gestimmt hatten, wollte jetzt niemand mehr
verantwortlich sein. Mit schmutzigen Fingern zeigten die Vertreter der
Altparteien wechselseitig aufeinander und gaben sich gegenseitig die Schuld an
dem nach diversen Medienberichten bis zu 360 Millionen Euro teuren Desaster. In
ihrem verzweifelten Versuch, sich aus der Verantwortung zu stehlen, teilten die
sonst gemeinsam Kölsch trinkenden Dutzfreunde regelrechte Tiefschläge aus: „Aber
Du warst doch auch bei der Sitzung XY dabei!“, „Ihr habt selbst mitgestimmt!“
„Pharisäer!“, „Scheinheiliges Verhalten!“, „Schizophren!“, „Immer diese
Erinnerungslücken!“ – ein Hänneschen-Theater der besonderen Güteklasse! Pro Köln
meldete sich hier natürlich fleißig zu Wort und versuchte die Altparteien an
ihre gemeinsame Verantwortlichkeit zu erinnern. Allerdings läßt die
Verstocktheit der Hauptakteure kaum auf Einsicht hoffen.
Die neue linke Dominanz
im Rat wurde bei zwei Anträgen der Grünen und der PDS sichtbar. Die
Postkommunisten der PDS setzten mit den Stimmen der Grünen und der SPD den
Beitritt Kölns zu einer „Städtekoalition gegen Rassismus“ durch. Manfred Rouhs
machte auch hier wieder deutlich, daß es den Linken nicht um tatsächlichen
Rassismus geht, sondern um die Durchsetzung ihrer Ideologie im öffentlichen
Raum. Die Zustimmung der SPD zu diesem Vorhaben überraschte aufmerksame
Beobachter der Kölner Politlandschaft nicht im geringsten. Schließlich
bekundeten die Sozialdemokraten auch in der gestrigen Sitzung, daß sie stolz
darauf wären, bei den Rathausfiguren für die Statue von Karl Marx gespendet zu
haben!
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Die fünfköpfige
Ratsfraktion von pro Köln war auch in dieser Sitzung wieder der Stachel im
Fleisch der Etablierten: Manfred Rouhs (v.l.), Bernd M. Schöppe, Judith
Wolter, Regina Wilden und Hans Martin Breninek. |
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Womit wir beim zweiten
Punktsieg der kölschen Rotfront wären: SPD, Grüne und PDS setzten gemeinsam
durch, daß die beschädigten Rathausfiguren auf Kosten des desolaten
Reiterstandbildes am Heumarkt repariert werden sollen. Was dies für das
wilhelminische Denkmal am Heumarkt bedeutet, erklärte Kulturdezernent Prof.
Georg Quander in dankenswerter Offenheit: Wenn das Reiterstandbild nicht bald
restauriert würde, müßte das Denkmal aus Gründen der Verkehrssicherheit abgebaut
werden. Einmal in einem städtischen Depot eingelagert, wäre das Denkmal wohl für
immer verschwunden. Genau das dürfte nach Einschätzung von pro Köln auch die
eigentliche Absicht von PDS, SPD und den Grünen gewesen sein. Pro Köln hatte
dagegen ein alternatives Finanzierungsmodell vorgeschlagen, bei dem sowohl die
Rathausfiguren als auch das Reiterstandbild hätten restauriert werden können.
Vergebens, der linke Kulturkampf nimmt auf vernünftige Sachargumente keine
Rücksicht. Weil nun aber diese Frage offenkundig ideologisch beantwortet wurde,
bezog auch Bernd M. Schöppe für pro Köln eine klare Position: „Uns ist Preußens
Glanz und Gloria auf dem Heumarkt auf jeden Fall lieber als Karl Marx auf dem
Ratsturm!“
Der zögerliche Widerstand
von CDU und FDP bei diesem linksideologischen Vorstoß wurde bei einem weiteren
kulturpolitischen Antrag schon wieder ad absurdum geführt. Eine von pro Köln
vorgeschlagene städtische Ausstellung zum Thema „60 Jahre Flucht und
Vertreibung“ wurde von allen etablierten Fraktionen verworfen, auch von CDU und
FDP! Die Argumentation der pro-Köln-Fraktionsvorsitzenden, Judith Wolter, fiel
auf keinen fruchtbaren Boden, obwohl sich die CDU doch immer als politische
Vertretung der deutschen Vertriebenen gebärdet. Und so bleibt es dabei, daß es
in Köln zwar massenhaft Veranstaltungen zu deutschen Verbrechen in der
Vergangenheit gibt (8.-Mai-Debatte!), aber auf der anderen Seite das Schicksal
der deutschen Opfer niemanden sonderlich interessiert. Für die vielen
Überlebenden und Angehörigen der nach Köln gekommenen Vertriebenen muß es wie
ein Schlag ins Gesicht gewesen sein, als Oberbürgermeister Fritz Schramma
höhnte: Wer wolle, könne ja mit der KVB zu einer aktuellen
Vertriebenen-Ausstellung nach Bonn fahren!
Als
Fazit dieser Ratssitzung bleibt festzuhalten: Mit dem Ende der großen Koalition
in Köln kommen unruhige Zeiten auf den Rat zu, weil sich CDU und SPD in
bestimmten Detailfragen nicht mehr einig sind. Die SPD bedient sich dabei völlig
ungeniert einer linken Ratsmehrheit mit den Grünen und den Postkommunisten der
SED/PDS. Bei den entscheidenden Dingen arbeiten die Altparteien aber weiter
zusammen, wie man zum Beispiel auch auf der gestrigen Ratssitzung bei der
Einrichtung eines Wirtschaftsdezernates sehen konnte. Auch bei der Ausgrenzung
von pro Köln zeigt das etablierte Machtkartell noch keine Risse. Es bleibt also
viel zu tun für eine konsequente Fundamentalopposition!
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