9. März 2006:
Diskussion um
Rathausvorplatz
In die Diskussion um den
Bau eines Jüdischen Museums auf dem Rathausvorplatz kommt jetzt Bewegung. Die
„Jüdische Allgemeine Wochenzeitung“ berichtete von einer diesbezüglichen Debatte
innerhalb der etablierten Kölner Parteien.
Nicht erwähnt wird dagegen die Position von pro Köln, obwohl die Fraktion pro
Köln bereits in der letzten Ratssitzung als einzige einen Antrag zur
Standortfrage eingebracht hatte. Pro Köln sprach sich dabei aus städtebaulichen
Gründen strikt gegen einen Museumsneubau auf dem Rathausvorplatz aus – alle
anderen Fraktionen stimmten wohl aus Gründen der „politischen Korrektheit“
dagegen. Doch die im Rat demonstrierte Einheitsfront scheint es so gar nicht zu
geben. Die „Jüdische Allgemeine Wochenzeitung“ berichtet von Diskussionen
innerhalb der SPD und von beredendem Schweigen der CDU-Fraktion.
Schon in der Sitzung der Bezirksvertretung
Innenstadt hatte sich die dortige CDU-Fraktion bei dem pro-Köln-Antrag gegen die
Verbauung des Rathausvorplatzes der Stimme enthalten, was bei der aktuellen
politischen Situation in dieser Stadt beinahe einem „Kapitalverbrechen“
gleichkommt. Denn gewöhnlich tun die Kölner Altparteien so, als wären alle
pro-Köln-Anträge entweder böse, dumm oder menschenverachtend. Das Niederstimmen
gehört da natürlich zum guten Ton. Eine Stimmenthaltung ist in diesem Sinne ein
klares Indiz für den Unwillen mancher Christdemokraten, diese städtebauliche
Sünde mitzutragen. Denn es wäre in der Tat ein Schildbürgerstreich, einen der
wenigen schönen Plätze in der Innenstadt ohne Not zuzubauen. Pro Köln wollte mit
den Anträgen im Rat und der Bezirksvertretung Innenstadt das Schweigen in dieser
Frage aufbrechen und endlich eine politische Diskussion anzetteln. Das scheint
nun zumindest in Teilen gelungen zu sein, auch wenn sich im Stadtrat von den
etablierten Fraktionen keiner ein offenes Wort gegen diesen Museumsstandort zu
sagen getraut hat. Der unbedarfte Bürger muß sich deswegen doch fragen, warum
niemand von der CDU öffentlich gegen den Standort Stellung bezieht, wenn es
offensichtlich großen innerparteilichen Widerstand gegen die Verbauung des
Platzes gibt? Warum änderte Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) seine
ursprünglich ablehnende Haltung bezüglich dieses Standortes für das Jüdische
Museum? Die „Jüdische Allgemeine Wochenzeitung“ beschrieb Schrammas
überraschende Kehrtwende wie folgt: „Sein Meinungswandel habe bereits im Sommer
vergangenen Jahres beim Besuch von Papst Benedikt XVI. in der Kölner Synagoge
begonnen, erklärt Schramma ...“
Wie die genauen Gründe
dafür auch aussehen mögen, CDU und SPD müssen auf jeden Fall bald Farbe
bekennen. Denn wenn sie schon bei den pro-Köln-Anträgen anscheinend nur die
Fassade aufrecht erhalten haben – irgendwann müssen ja konkrete Entscheidungen
fallen. Die Fraktion pro Köln wird sich bis dahin offensiv mit dem Thema
auseinandersetzen und die Bürger über die städtebaulichen Aspekte aufklären. Vor
allem wird dabei auch die Frage aufgeworfen werden, warum das Museum
ausgerechnet an dieser Stelle entstehen muß. Es wird sich doch wohl ein anderer
Platz für diese grundsätzlich zu begrüßende Einrichtung finden lassen. Doch dazu
müßten alle Beteiligten vernünftigen Argumenten aufgeschlossen gegenüber
stehen, was in der Kölner Kommunalpolitik leider nicht unbedingt zu erwarten ist
...
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