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15. Februar 2006:

Plädoyer gegen die Verbauung des Rathausvorplatzes 

Die Vorsitzende der Fraktion pro Köln, Judith Wolter, begründete in der letzten Ratssitzung, warum der Rathausvorplatz als Standort eines jüdischen Museums ungeeignet sei. Pro Köln dokumentiert an dieser Stelle das Plädoyer der jungen Rechtsanwältin für den Erhalt des Platzes in seiner bisherigen Form.

Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren,

ein reißerischer Artikel aus der Bildzeitung brachte vor einigen Wochen die Standortfrage für das jüdische Museum wieder in den Mittelpunkt der öffentlichen Auseinandersetzung zurück. Die Springer-Presse, die nach § 3 ihrer Verlagssatzung ausdrücklich Israel und jüdischen Institutionen besonders verbunden ist, meint in Gestalt von Bild-Köln verkünden zu müssen, daß uns zukünftig die gesamte Bundesrepublik wegen der Verbauung des Rathausvorplatzes beneiden wird. Wenn es städtebaulich nicht so traurig wäre, könnte man den entsprechenden Bildartikel als Realsatire abtun. Doch die politische Klasse in dieser Stadt möchte diese städtebauliche Sünde – ganz politisch korrekt – schnellstmöglich umsetzen.

Wir hingehen sind und bleiben der Auffassung, dass der Rathausvorplatz in seiner bisherigen Form als Ort der Ruhe unbedingt erhalten bleiben muss. Der Rathausvorplatz lädt Besucher des Rathauses und Passanten geradezu zum Verweilen ein. Inmitten der dicht bebauten Innenstadt mit all ihrer Hektik ist diese Freifläche schlichtweg unersetzbar. Eine mutwillige Verbauung des Rathausvorplatzes mag möglicherweise politisch korrekt sein; sie bleibt jedoch unsinnig und wäre eine fatale städtebauliche Sünde. Hierbei ist es auch völlig egal, ob der Rathausvorplatz durch den Bau eines jüdischen Museums oder eines völlig anderen Gebäudes in seiner bisherigen Form irreparabel verändert wird.

Damit sie den Antrag nicht mutwillig fehlinterpretieren, möchte ich für meine Fraktion zudem noch einmal ausdrücklich klarstellen, daß wir selbstverständlich generell den Bau eines jüdischen Museums in Köln an anderer Stelle begrüßen. Im Übrigen wird bereits jetzt im Rathausbereich in ansprechender Form in Gestalt einer kleinen Glaspyramide an die Grundmauern des mittelalterlichen Judenviertels erinnert. Das ist auch gut so!

Sie werden diesen Antrag trotz dieser Erläuterungen geißeln beziehungsweise verdammen. Möglicherweise werden Sie – ganz politisch korrekt – sogar den Vorwurf des Antisemitismus erheben. Beeindrucken werden sie uns hierdurch nicht.

Wir wissen, dass die politische Klasse dieser Stadt nach wie vor eingebettet in das geistige Zwangsregime der „Political Correctness“ ist. Wer sie auch nur fahrlässig verletzt, wird rücksichtslos ausgestoßen. Daher soll und darf über diese Standortfrage nach dem Willen der Stadtspitze sowie Ihrer Klüngelfraktionen nicht unbefangen diskutiert werden. Pro Köln macht aus gutem Grund bei diesem peinlichen Spiel nicht mit. Aus ausschließlich städtebaulichen Gründen muss die unsinnige Verbauung des Rathausvorplatzes verhindert werden.

Der Rathausvorplatz ist bisher eine Oase der Ruhe mitten in der geschäftigen Innenstadt. Nach dem Willen der Verwaltungsspitze und der etablierten Parteien soll dieser Platz aber restlos zugebaut werden!

 

 
 
 

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