9. Februar 2006:
Volksseele in Rondorf kocht
Die Brandanschlagserie
in Rondorf hat in den letzten Monaten für große Unruhe in der Bevölkerung
gesorgt. Immer wieder gingen Autos oder Garagen in Flammen auf; der oder die
Täter nahmen dabei auch die Gefährdung von Menschenleben in Kauf. In einer
Bürgerversammlung wurde nun am Mittwoch Tacheles geredet. Über 400 Rondorfer
äußerten ihren Unmut über Polizei und Feuerwehr, besonders aber auch über die
etablierte Stadtpolitik. Bei der hitzigen Diskussion wurde nämlich deutlich, daß
der Kölner Stadtteil Rondorf im Prinzip sich selbst überlassen wurde: Keine
Jugendeinrichtungen, keine weiterführenden Schulen, kein Stadtbahnanschluß. Die
etwa 2.000 Jugendlichen in Rondorf müssen einen Großteil ihrer Freizeit auf der
Straße verbringen.
Beunruhigte Bürger
äußerten deshalb ihre Befürchtung, daß sich Rondorf zu einem sozialen Brennpunkt
entwickeln könnte. Auch die Gerüchte, daß es sich bei den Brandstiftern um eine
Jugendbande handeln könnte, wollen in Rondorf nicht verstummen.
CDU-Fraktionschef Winrich Granitzka versuchte auf dem Podium wie üblich
abzuwiegeln. Die etablierte Politik in Köln redet Probleme nämlich lieber klein,
anstatt sie zu lösen. In diesem Sinne sprach Granitzka auch davon, daß es
anderenorts noch viel schlimmer wäre. Was für ein Trost für die Rondorfer!
Der ebenfalls anwesende
Pro-Köln-Stadtrat Bernd M. Schöppe äußerte im Anschluß an die Veranstaltung sein
Unverständnis über die Schönfärberei und Tatenlosigkeit der Kölner Stadtspitze:
„Wieder einmal wird zugesehen, wie ein Stadtteil zu kippen droht. Die
Brandanschläge sind nur die Spitze des Eisbergs. Die heutigen Reaktionen der
Bürger haben gezeigt, daß es unter der Oberfläche schon länger brodelt. Die
Stadt sollte deshalb alles unternehmen, was die öffentliche Sicherheit in
Rondorf verbessern könnte. Dafür sollte durchaus auch die Anregung der Anwohner
aufgegriffen werden, eine Art Bürgerwehr zu gründen. Modelle für ehrenamtliche
Helfer der Polizei gibt es in anderen deutschen Städten schon länger.“
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