26. November 2006:
Fragwürdiges Finanzgebaren
Bei der CDU-Fraktion im
Bergisch-Gladbacher Stadtrat nahm die Kassenprüfung für das Jahr 2005 einen
denkwürdigen Verlauf und rief den Staatsanwalt auf den Plan. Denn neben den
steuerlich günstigen, offiziellen Bezügen in Höhe von pro Kopf Euro 400,00
monatlich wurden den drei Mitarbeitern der Fraktion per Dauerauftrag jeden Monat
weitere 350,00 Euro überwiesen. Das bewerten die Prüfer laut „Kölner
Stadt-Anzeiger“ vom 25./26. November als „versteckte Gehaltszahlungen“ und
sprechen von Steuerhinterziehung. Zudem flossen Gelder für Schiffsausflüge,
teure Abendessen und Karten für Karnevalssitzungen an Bergisch Gladbacher
CDU-Mitglieder – wobei es sich offensichtlich nicht um Aufwendungen handelt, die
im Zusammenhang mit der Fraktionsarbeit stehen, sondern um lupenreine private
Vergnügungen.
Den CDU-Verantwortlichen stehen jetzt
Strafverfahren bevor. Die Steuer-Nachforderungen könnten in den sechsstelligen
Bereich gehen und ein großes Loch in die Kasse der „Schwarzen“ in Bergisch
Gladbach reißen. Indessen besteht nicht die Gefahr, daß bei einer eventuellen
Nachprüfung noch bei den Verwendungsnachweisen für die Jahre vor 2004
Unregelmäßigkeiten entdeckt werden – denn die wurden geschreddert. Laut
„Stadt-Anzeiger“ bestätigt der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Mömkes: „Ja, es
gibt keine Unterlagen vor 2004.“ Wie lange muß der wirtschaftlich selbstständige
Normalverbraucher noch gleich seine Steuerunterlagen aufbewahren? – Richtig:
Teils sechs, teils zehn Jahre. Die CDU-Fraktion aber meint, sie habe alle
Unterlagen vernichten dürfen, nachdem das Büro des Bürgermeisters sie
stichprobenartig überprüft habe.
Eine genaue Überprüfung der
Fraktionsbuchhaltung sieht das Gesetz nicht vor. Und so wird immer wieder einmal
herzhaft in die Kasse gegriffen, wie unlängst in Wesel, wo sich die SPD-Fraktion
eine Reise nach Rom gegönnt hat. Schlimmer noch als der Mißbrauch von
Steuergeldern ist dann auch die Gelassenheit, mit der die Verantwortlichen mit
Fällen dieser Art umgehen. Der „Stadt-Anzeiger“ zitiert einen Bergisch
Gladbacher CDU-Vertreter mit dem entlarvenden Satz: „Woanders sieht es bestimmt
nicht besser aus – die sind nur nicht so blöd wie wir und halten das schön unter
Verschluß.“ – Armes Deutschland!
Es geht übrigens auch anders: Die Buchhaltung
der Fraktion pro Köln für die Jahre 2004 und 2005 wurde kürzlich von einem
Beamten der städtischen Kämmerei sehr genau unter die Lupe genommen. Ergebnis:
„Keine Beanstandungen.“
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