26. Oktober 2006:
Krasse politische Fehlbesetzung
Der CDU-Fraktionschef Winrich Granitzka gibt manchem im Rat
Rätsel auf. Wie kann ein Mann mit derart mangelhaften moralischen und
politischen Qualitäten zum Vorsitzenden der größten Ratsfraktion aufsteigen? Ist
die Personaldecke bei den heillos zerstrittenen Kölner Christdemokraten
inzwischen so dünn geworden?
Aktueller Anlaß für solche Überlegungen war Granitzkas Auftritt bei der
Ratsdebatte zum Messe-Skandal und den drohenden EU-Strafzahlungen. Der CDU-Mann
stellte sich dort allen Ernstes vor die Ratsmitglieder und die versammelte
Presse und behauptete dreist, daß der Stadt Köln mit den Messehallen nichts
Besseres hätte passieren können. Das Messegeschäft wäre ein riesiger Gewinn für
alle Beteiligten, verkündete „Granini“ (interner CDU-Jargon) unter dem
Kopfschütteln jedes nur halbwegs informierten Zeitgenossen.
Denn
Fakt ist: Unabhängige Wirtschaftsexperten und Recherchen des WDR haben schon vor
Monaten aufgedeckt, daß der Messegesellschaft und damit der Stadt Köln durch den
Deal mit dem Oppenheim-Esch-Fonds ein Schaden von bis zu 360 Millionen Euro
entstanden sein könnte. Grund dafür seien die horrenden Mietzahlungen während
der 30jährigen Laufzeit – insgesamt bis zu 750 Millionen Euro. Unbestritten ist
zudem, daß bei einer Finanzierung durch zinsgünstige Kommunalkredite hunderte
Millionen Euro hätten gespart werden können. Doch die Stadt hat sich noch nicht
einmal um eine Genehmigung für solche Kredite bei der Bezirksregierung
gekümmert.
Stattdessen lief von vorneherein alles auf den Oppenheim-Esch-Fonds zu, andere
privatwirtschaftliche Konkurrenzangebote wurden nicht ernsthaft geprüft. Und so
baute schließlich der Esch-Fonds nach Maßgaben der Stadt die neuen Messehallen,
um sie anschließend mit fetten Gewinnen für die exklusiven Fondsanleger an die
Stadt vermieten zu können. Granitzka hatte jetzt die Chuzpe, diese
Millionen-Abzocke auf Kosten der Steuerzahler als „Gewinn“ für die Stadt Köln zu
verkaufen – ein neuer Tiefpunkt in der politischen Kultur dieser Stadt!
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Die politische
Fehlbesetzung dieser Legislaturperiode: Winrich Granitzka tritt als
CDU-Fraktionsvorsitzender von einem Fettnäpfchen ins nächste und beweist
soviel politisches Fingerspitzengefühl wie ein Elefant im Porzellanladen!
Foto: meaningMedia Stadt Köln |
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Genau dieses Konstrukt eines angeblichen Mietvertrages zwischen Oppenheim-Esch
und der Messe/Stadt Köln rief nun auch die EU-Kommission auf den Plan. Völlig
schlüssig wiesen die EU-Beamten dabei in einer Stellungnahme nach, daß der
Mietvertrag nur ein Umgehungstatbestand sei und das Messegeschäft in
Wirklichkeit als ein öffentlicher Bauauftrag zu werten sei und deshalb hätte
ausgeschrieben werden müssen. Doch das wurde ja wohlweislich unterlassen, da als
Vertragspartner offensichtlich nur der Oppenheim-Esch-Fonds in Frage kommen
sollte.
Dadurch könnte der Stadt jetzt weitere Unbill drohen: Die EU fordert nämlich die
Rückabwicklung des Geschäfts, ansonsten drohen Strafzahlungen. Beide Varianten
würden für die Stadt Köln im Endeffekt einen erneuten Schaden von mehreren
hundert Millionen Euro bedeuten! Und hier kommt wiederum CDU-Fraktionschef
Winrich Granitzka ins Spiel: Ebenfalls in der Ratssitzung am Dienstag behauptete
Granitzka allen Ernstes, daß solche etwaigen Strafzahlungen doch im Prinzip egal
wären: „Die müßten ja dann von der Bundesrepublik bezahlt werden“, so Granitzkas
entlarvende Weltsicht. Dazu gibt es nur zwei Dinge zu sagen: Zum einen ist diese
Aussage völliger Quatsch, da die Bundesrepublik natürlich bei der Stadt Köln
Regreß nehmen würde. Zum anderen wäre dies ein absolut unverantwortlicher
Politikstil, wenn Granitzkas Aussage wirklich stimmen würde. Denn auch wir
Kölner sind doch Teil Deutschlands und bezahlen über unsere Steuern den
Bundeshaushalt! Welchen beschränkten Horizont muß man eigentlich haben, um
solche Aussagen tätigen zu können?
Beängstigend, daß ein
Mann wie Granitzka der führende Christdemokrat im Rat der Stadt Köln ist und
zuvor leitender Polizeibeamter war. Ein weiteres Indiz dafür, daß für den Weg an
die Spitze des Kölner Polizeiapparates nicht unbedingt nur fachliche Leistungen
ausschlaggebend sind. Vielmehr sind gute politische Beziehungen und die
richtige, „politisch korrekte“ Meinung gefragt. Ein Mechanismus, der übrigens
für beide Seiten von Vorteil ist.
Denn nachdem die
Klüngel-Troika Fritz Schramma, Richard Blömer und Rolf Bietmann den ehemaligen
Polizeidirektor Granitzka 2004 ins CDU-Boot geholt hatten, zahlte sich das für
Granitzka gleich aus. Der geschäftstüchtige Polizeipensionär kassierte mit
seiner kurz vor dem katholischen Weltjugendtag (WJT) im Jahr 2005 gegründeten
Firma „Granitzka Security Consult GmbH“ ordentlich bei der Organisation der
Großveranstaltung ab. Granitzka nutzte seine guten Kontakte zur Kölner CDU,
speziell zu Oberbürgermeister Schramma und dem damaligen
CDU-Bundestagsabgeordneten Bietmann, um sich nach seinem Ausscheiden aus dem
Polizeidienst gleich als „Jungunternehmer“ zu profilieren und bekam als völliger
Branchenneuling prompt den Zuschlag für ein Großereignis wie den WJT. Angesichts
eines Gesamtetats von über 100 Millionen Euro für den WJT kann sich jeder
ausrechnen, in welchen Dimensionen Granitzkas Firma an dem Geschäft profitiert
hat. Dieser Clou – zusätzlich zu seiner üppigen Pension - dürfte ihm im Kreise
seiner Freunde Schramma, Blömer und Bietmann sicher kollegiale Anerkennung
eingebracht haben!
Und so ein Mann führt
jetzt also die Kölner CDU-Fraktion und tätigt Aussagen wie die obigen zum
Messeskandal. Ein Konrad Adenauer würde sich angesichts einer solch krassen
politischen Fehlbesetzung wohl im Grabe umdrehen!
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