25. Oktober 2006:
Letzter Akt im Kölner
Finanztheater?
Die Einbringung des
Haushaltes für das Jahr 2007 läßt eine schwierige Zukunft für die Domstadt
erwarten. Während der Sondersitzung des Rates wurde klar, daß der städtische
Haushalt trotz des Haushaltssicherungskonzeptes noch einen Fehlbetrag von 95
Millionen Euro aufweist.
Sollte diese Deckungslücke nicht geschlossen werden können, wird der Nothaushalt
über Köln verhängt werden, Stadtverwaltung und Rat würden damit praktisch
entmachtet. Hinzu kommen noch die finanziellen Auswirkungen des Messeskandals:
Die EU-Kommission hat festgestellt, daß der Neubau der Messehallen
ausgeschrieben hätte werden müssen. Nun drohen eine Rückabwicklung des Deals mit
dem Oppenheim-Esch-Fonds oder millionenschwere Strafzahlungen. In beiden Fällen
würden letztendlich die Stadt Köln und damit die Kölner Steuerzahler massiv zur
Kasse gebeten. Das wäre dann endgültig der Todesstoß für die desolaten Kölner
Finanzen …
Angesichts dieser
düsteren Zukunftsprognosen ließen sich die dafür Verantwortlichen aber
offensichtlich die Laune nicht verderben. Stadtkämmerer Peter Michael Soénius
scherzte noch kurz vor seiner (letzten?) Haushaltsrede ausgelassen mit seinen
Dezernenten-Kollegen. Auch Oberbürgermeister Fritz Schramma erwies sich wieder
mal als Meister des Verdrängens, besonders in Sachen Messeskandal. Die
EU-Entscheidung wäre halb so wild, im schlimmsten Fall könnte es irgendwann mal
zu einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof kommen. Wie gehabt also:
Aussitzen, Kleinreden, Verharmlosen. Für die eigenen Pensionsansprüche wird es
schon noch reichen! Erstaunlich in diesem Zusammenhang war die Reaktion von
Stadtkämmerer Soènius. Überraschender Weise wollte der Stadtkämmerer bei der
rechtlichen Beurteilung der EU-Entscheidung seinem Chef Schramma nicht
beipflichten. „Ich sage dazu gar nichts“ wehrte Soénius unter Verweis auf seine
Anwälte ab. Ob der Jurist Soénius wohl schon eher als der Lateinlehrer Schramma
verstanden hat, was für eine Welle da auf die Stadtoberen zurollt?
Die Fraktion pro Köln
leistete gestern natürlich wieder ihren Beitrag als Kontroll- und
Oppositionskraft im Rat. In einem Antrag forderte sie Oberbürgermeister und
Stadtkämmerer wegen ihrer Rolle im Messeskandal zum Rücktritt auf.
Fraktionsgeschäftsführer Manfred Rouhs betonte die Verantwortlichkeit dieser
Herren und appellierte an Schramma, diese letzte Gelegenheit zu nutzen, halbwegs
das Gesicht zu wahren und etwas politischen Anstand zu zeigen. Zudem wies Rouhs
die geradezu lächerliche Schutzbehauptung von CDU-Fraktionschef Winrich
Granitzka zurück, wonach mögliche Strafzahlungen der EU ja nur die
Bundesrepublik treffen würden. „Was glauben Sie denn, wen die Bundesrepublik in
Regreß nehmen würde? Natürlich die Stadt Köln als Schuldigen in dieser Sache!“
Ein weiterer
pro-Köln-Antrag beschäftigte sich mit der direkten Mitverantwortung der
Ratsmitglieder, die für das Messegeschäft gestimmt hatten. Die
pro-Köln-Fraktionsvorsitzende, Rechtsanwältin Judith Wolter, erläuterte die
Möglichkeiten, diese Ratsmitglieder in Regreß zu nehmen:
„Wir möchten mit unserem
Antrag zunächst die Verwaltung beauftragen, die Möglichkeit der
Schadensersatzklage gegen die entsprechenden Ratsmitglieder zu überprüfen. Denn
gemäß § 43 Absatz 4 Gemeindeordnung kann die Stadt bei den Ratsmitgliedern
Regreß nehmen, wenn diese in vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Verletzung
ihrer Pflicht gehandelt haben. Es kann nicht sein, daß der Normalbürger bei
jeder Gelegenheit zur Kasse gebeten wird, während Politiker für die
Allgemeinheit immensen Schaden anrichten können, ohne dafür geradestehen zu
müssen. Wir fordern daher: Gleiches Recht für alle. Genauso unerbittlich, wie
die Stadt Köln gegen Parksünder vorgeht, sollte sie dies in einem solch
gravierenden Fall tun.“
Erwartungsgemäß waren die
Ratsfraktionen, die im Jahr 2003 für das Messegeschäft gestimmt hatten, wenig
begeistert von diesem Ansinnen - der pro-Köln-Antrag wurde demzufolge abgelehnt.
Seltsamerweise empörte sich zuvor die Linksfraktion am meisten über obige
pro-Köln-Anträge. Ausgerechnet die Linksfraktion, die angeblich gegen die Macht
der Großkapitalisten kämpft und deren Mitglied Claus Ludwig sich als letzter
echter Klassenkämpfer geriert, verwahrte sich gegen kritische Anträge in Sachen
Messeaffäre. Konkret führte der Fraktionsvorsitzende Jörg Detjen aus:
„Herr
Oberbürgermeister, meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Schluß ein Wort
zu Pro Köln sagen. Wir finden es widerlich, wie die braune Gruppe an diesem
Thema operiert. Und wenn Sie ihre populistischen Forderungen nach demokratischen
Inhalten prüfen, werden Sie keine finden, sondern die blanke, braune Willkür.
Erst sollen Ratsmitglieder persönlich haftbar gemacht werden, dann soll der
Oberbürgermeister – bevor die Schuldfrage durch ein Urteil geklärt ist – aus dem
Amt gejagt werden. So werden rechtsstaatliche und demokratische Grundsätze
ausgehebelt. Kleine und große Fehler nutzen die braunen Hetzer aus. Lassen Sie
uns wachsam sein!“
Die Wähler von PDS und
„Gemeinsam gegen Sozialraub“ werden diesen Einsatz für die Interessen der oberen
Zehntausend in Köln sicher zu würdigen wissen!
P.S.: Liebe Leser: Wenn
Sie sich nun fragen, warum Sie von den oben beschriebenen pro-Köln-Aktivitäten
heute mal wieder nichts in „Stadt-Anzeiger“ oder „Rundschau“ gelesen haben,
dann können wir Ihnen nur folgendes raten: Fragen Sie doch mal bei den
Lokalredaktionen der DuMont-Blätter nach, weshalb die politischen Inhalte der
Bürgerbewegung pro Köln regelmäßig unterschlagen werden, während sämtliche
anderen Ratsfraktionen (selbst die zahlenmäßig kleinere Linksfraktion)
ausführlich zu Wort kommen …
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