1. November 2006:
„Persilschein“ ohne Wert
Oberbürgermeister Fritz Schramma hat den
Ratsfraktionen – gezwungenermaßen auch der Fraktion pro Köln – das Gutachten der
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BFJM zum Neubau von vier Messehallen
einschließlich der Nebengebäude in Deutz vorgelegt. Unter Berufung auf
dieses Papier wurde öffentlich die Forderung erhoben, das Strafverfahren gegen
Schramma wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit dem Messe-Neubau
einzustellen. Die Stadtspitze sei reingewaschen, hieß es. Eine solche
Schlußfolgerung läßt sich indessen aus dem Bericht der Wirtschaftsprüfer nicht
herleiten.
Schramma versuchte, die Sache spannend zu
machen: „Ich möchte darauf hinweisen, daß die beigefügten Unterlagen
entsprechend den Regelungen für nichtöffentliche Sitzungen vertraulich zu
behandeln sind“, schickt er am 31. Oktober der Übermittlung des zusammengefaßten
Ergebnisses der Untersuchung an die Ratsfraktionen voraus. Trotzdem konnte
bereits am folgenden Tag der „Kölner Stadt-Anzeiger“ aus dem Papier zitieren,
daß BFJM die „relevanten Angaben und Sachverhalte“ der causa Messebau nicht etwa
selbst überprüft, sondern schlicht die Daten der Stadt übernommen hat. Zudem
wurde die „Angemessenheit zwischen Miethöhe und dem Wert des Mietgegenstandes“
nicht überprüft, wozu der „Stadt-Anzeiger“ durchaus richtig bemerkt: „Ob die
neuen Messe-Gebäude die über 30 Jahre vereinbarten Mietzahlungen, die sich
vermutlich auf mehr als 750 Millionen Euro summieren könnten, überhaupt wert
sind, wurde erst gar nicht erörtert.“ So ist das in Köln: Der Oberbürgermeister
hat sich selbst demontiert, niemand folgt mehr den Richtlinien, die er vorgibt,
selbst wenn es nur um die Deklaration eines Gutachtens als vertraulich geht.
Ob die Annahme eines der Angebote anderer
Investoren, die der Messe vorlagen, günstiger als die Oppenheim-Esch-Lösung
gewesen wäre, wurde von BFJM ebenfalls nicht überprüft. Damit werden durch das
Gutachten gerade die wesentlichen Fragen, die im Zusammenhang mit dem Messebau
zu stellen sind, nicht beantwortet.
Im Kern enthält das Papier lediglich einen
Vergleich der Wirtschaftlichkeit des von Oppenheim-Esch verwirklichten
Bauprojektes mit der Möglichkeit einer Eigenfinanzierung des Messe-Neubaus durch
die Stadt Köln. Und da rechnen die Prüfer lediglich vor, dass in Abhängigkeit
von den wirtschaftlichen Parametern am Zinsmarkt sowie bei den Instandhaltungs-
und Verwaltungskosten die Stadt im Falle einer Eigenfinanzierung im
zweistelligen Millionenbereich besser oder schlechter hätte abschneiden können.
Das mag handwerklich ordentlich durchgerechnet sein, verfehlt aber den Kern der
Sache.
Dazu erklärt der Geschäftsführer der Fraktion
pro köln, Manfred Rouhs.
„Das Gutachten ist offensichtlich wertlos.
Aber das bedeutet natürlich nicht, daß es auch kostenlos gewesen wäre. In den
Medien wurde das Gerücht verbreitet, der Steuerzahler würde dafür mit rund
40.000 Euro zur Kasse gebeten werden. Ob das stimmt, wird pro Köln mit einer
Anfrage im
Finanzausschuß aufklären.“
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