20. November 2006:
Neue Vorwürfe bei Reise-Affäre:
Auch Schramma im Visier der Ermittler
Der Skandal um halbprivate Reisen von diversen städtischen
Aufsichtsräten ist um eine Facette reicher geworden. Eine dreitägige Reise des
Messe-Aufsichtsrates nach Valencia im Jahr 2003 soll ebenfalls von der
Staatsanwaltschaft Köln überprüft werden. Mitglied der
illustren Reisegesellschaft war damals auch der Messe-Aufsichtsratschef – Kölns
Oberbürgermeister Fritz Schramma. Für Schramma selbst dürfte diese neue
Entwicklung allerdings noch das kleinere Übel sein. Denn mehr Kopfzerbrechen
werden ihm wahrscheinlich die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen des
Vorwurfs der Untreue beim Messe-Skandal machen, die seit über einem Jahr gegen
ihn laufen.
Reise-Affäre, Messe-Skandal,
Parteispenden-Affären – die Kölner Kommunalpolitik kommt einfach nicht zur Ruhe.
Immer wieder kommen neue häßliche Details über die „Machenschaften der Macht“
(Prof. von Arnim) ans Tageslicht. Immer wenn man glaubt, daß die
Verantwortlichen doch endlich mal aus ihren Fehlern gelernt haben müßten,
erschüttert uns der nächste Skandal. Das Problem ist einfach, daß auf
politisches Fehlverhalten und persönliche Bereicherung keine angemessenen
Konsequenzen folgen. Bei der Aufklärung von Klüngel-Vorwürfen wird getrickst und
verzögert, was das Zeug hält. Jedes noch so kleine juristische Schlupfloch wird
ausgenutzt, und die Staatsanwaltschaft Köln zeichnet sich bei Korruptions- und
Klüngelverfahren regelmäßig mit einer schleppend langen Ermittlungsdauer aus. Am
Ende werden dann noch zahlreiche Verfahren gegen läppische Geldbußen
eingestellt. Engagierte strafrechtliche Verfolgung sollte anders aussehen,
meinen viele Kritiker.
Doch zumindest sorgt die Einleitung von
staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, zu der die Staatsanwälte bei einem
begründeten Anfangsverdacht gesetzlich verpflichtet sind, für eine
Thematisierung der Skandale in den Medien. So auch bei den aktuellen Fällen mit
den zweifelhaften „Dienstreisen“ von verschieden kommunalen
Aufsichtsratsgremien. Rund 50 Ratspolitiker der Altparteien sollen darin
verstrickt sein, bei mehreren städtischen Gesellschaften gab es
Hausdurchsuchungen. Mit ein Grund dafür war offensichtlich der mangelnde
Kooperationswille des Stadtkämmerers Peter Michael Soénius bei der Aufklärung
der Vorwürfe. Obwohl die Stadtspitze laut Presseberichten seit Monaten über die
Vorgänge informiert war, wurden die von der Staatsanwaltschaft angeforderten
Unterlagen nur teilweise herausgegeben. Der zuständige Stadtkämmeerr Soénius
hätte angeblich nicht verstanden, was die Ermittler denn genau wollten. Ein
Schelm, der böses dabei denkt.
Abgesehen von solch juristischen Details
bleibt die politische Frage, wieviel solcher Skandale diese Stadt noch verträgt.
Wieviel Unehrlichkeit, wieviel Machtmißbrauch und Raffkementalität braucht es
eigentlich, bis die Kölner Bürger auf die Barrikaden gehen? Oder glauben die
Altparteien in der Domstadt tatsächlich daran, nach dem Grundsatz handeln zu
können: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich gänzlich ungeniert“!?
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