15. Dezember 2006:
Bericht von der Dezember-Ratssitzung:
Lustreisende und Salonbolschewisten
„Lustreisen“ Kölner Ratsmitglieder auf
Kosten der Allgemeinheit – das war für die etablierten Parteien auf der
gestrigen Ratssitzung kein diskussionswürdiges Thema. Obwohl die
Staatsanwaltschaft im November zahlreiche Räumlichkeiten kommunaler Betriebe
durchsucht hatte und in diesem Zusammenhang etwa 50 Ratspolitiker der
Altparteien im Verdacht hat, war auf Seiten der Stadtspitze keine Einsicht
feststellbar. Im Gegenteil: Stadtdirektor Guido Kahlen (SPD) empfahl dem
Rat, einen pro-Köln-Antrag auf Veröffentlichung der entsprechenden Namen
abzulehnen. Man „respektiere“ zwar die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, sähe
aber darüber hinaus keinen weiteren Handlungsbedarf.
Pro-Köln-Fraktionsgeschäftsführer Manfred Rouhs betonte dagegen das Recht der
Öffentlichkeit, über die konkreten Verdachtsfälle informiert zu werden, womit ja
noch keine Vorverurteilungen verbunden seien. Stadtdirektor Kahlen schrieb er
ins Stammbuch, daß der Stadt gar keine andere Wahl bliebe, als
staatsanwaltschaftliche Ermittlungen zu „respektieren“. Allein eine solche
Aussage würde schon viel über das Selbstverständnis und die Moral der
politischen Klasse in Köln aussagen.
Die „Klassenkämpfer“ der PDS leisteten bei
dieser Frage dem Establishment sogar noch Schützenhilfe. Der Vorsitzende der
Linksfraktion, Jörg Detjen, griff statt der Klüngel-Mafia lieber die um
Aufklärung bemühte pro-Köln-Fraktion an. Ein Vorgang, der laut Rouhs wieder
einmal zeigte, wie sehr Detjen und seine Genossen seit ihrer Zusammenarbeit mit
dem rot-grünen „Kernbündnis“ an einer Anbiederung an die Mächtigen dieser Stadt
interessiert seien: „Herr Detjen, sie sind um der Macht willen doch schon lange
vom Altkommunisten zu einem angepaßten Salonbolschewisten mutiert!“
Beim Streit um die Wiederinbetriebnahme der
Starenkästen auf der Zoobrücke setzte sich eine große Koalition von CDU, SPD und
Grünen durch, pro Köln stimmte im Rat gegen die Vorlage. Die Autofahrer sollen
damit in Zukunft wieder kräftig zur Kasse gebeten werden. 700.000 Euro
Mehreinnahmen erwartet die Verwaltung pro Jahr durch diese Maßnahme. Vorschläge
der Fraktion pro Köln zu einer alternativen Verkehrsführung auf der Zoobrücke,
die zuerst von der CDU populistisch übernommen worden waren, sollen dagegen
lediglich geprüft werden, während die Geldschneiderei bereits im vollen Gange
ist!
Beim Thema Messeskandal präsentierten sich
gestern ausgerechnet die Fraktionen von CDU, SPD, Grünen und FDP als
„Aufklärer“. Jene Parteien also, die das Millionengeschäft mit dem
Oppenheim-Esch-Fonds ausgeklüngelt und im Rat beschlossen hatten, brachten nun
einen Antrag ein, daß das städtische Rechnungsprüfungsamt einige umstrittene
Details des skandalösen Deals prüfen soll. Obwohl pro Köln schon vor Monaten
viel weiter reichende Anträge und Initiativen vorgeschlagen hatte, verweigerte
sich die Fraktion der Bürgerbewegung nicht diesem vorsichtigen Ansatz zu mehr
Transparenz. Der Auftrag an das Rechnungsprüfungsamt wurde somit auch mit den
Stimmen von pro Köln erteilt. Was bei einer Prüfung durch eine städtische
Behörde letztendlich herauskommt, bleibt abzuwarten. Pro Köln hofft zumindest,
daß das Rechnungsprüfungsamt sich von gewissen politischen Zwängen nicht
behindern lassen wird.
Abschließend der fast schon obligatorische
Kommentar zur heutigen Berichterstattung der DuMont-Presse über die Ratssitzung:
Mit krampfhaften Verrenkungen und Formulierungen haben es „Stadt-Anzeiger“,
„Rundschau“ und Co. wieder fertig gebracht, die Fraktion pro Köln mit keinem
Wort zu erwähnen. Trotz der Vorreiterrolle bei der Aufklärung des Messeskandals,
trotz der Vorschläge zur Vermeidung der Starenkästen auf der Zoobrücke, trotz
der hitzigen Diskussion über die „Lustreisen“ Kölner Ratspolitiker. Die
anwesenden Journalisten müssen sich deshalb zu Recht den Vorwurf gefallen
lassen, dem Bild einer politisch willfährigen Journaille zu 100 Prozent zu
entsprechen.
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