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4. Januar 2008:

Abzocke mit der „Umweltplakette“

Immer, wenn die öffentliche Hand Geld braucht, halten Politiker Ausschau nach Möglichkeiten, dem Bürger dasselbe aus der Tasche zu ziehen. Zwei Zielgruppen werden besonders gerne ins Visier genommen, weil sich ihnen gegenüber leicht Vorwände für’s Abkassieren konstruieren lassen: Hausbesitzer und Autofahrer. Seit Neujahr sind in Köln wieder einmal die Autofahrer an der Reihe.

Wer sich aus der Kölner Innenstadt nicht aussperren lassen will, muß Geld in eine sogenannte „Umweltplakette“ investieren. Eine „Umweltzone“ in der Kölner Innenstadt soll von Fahrzeugen mit schlechten Schadstoffwerten ab sofort nicht mehr angesteuert werden. Betroffen sind davon nur wenige Prozent der in Mitteleuropa zugelassen Kraftfahrzeuge – für die Plakette zahlen aber muß jeder, der das Kölner Stadtzentrum nicht umfahren kann.

Auf die Luftqualität in Deutschland wie in Köln hat die Einrichtung der sogenannten „Umweltzonen“ keine Auswirkungen. Wie aus einem Luftgutachten des ADAC hervorgeht, sind die derzeit in Deutschland bestehenden „Umweltzonen“ dafür viel zu klein.

Ginge es der Politik wirklich darum, Beiträge zur Reinerhaltung der Luft zu leisten und dafür die Autofahrer in die Verantwortung zu nehmen, dann hätten der Landes-Gesetzgeber und die Kommunen diesbezüglich durchaus eine Reihe von Möglichkeiten. Beispielsweise könnte statt einer „Umweltplakette“ an die Halter von Kraftfahrzeugen mit sehr guten Schadstoffwerten für fünf Euro eine „Parkplakette“ verkauft werden, die überall dort in Köln, wo der Parkraum bewirtschaftet wird, in den ersten zwei oder drei Stunden die kostenlose Inanspruchnahme eines Parkplatzes möglich macht. Damit wäre ein attraktiver zusätzlicher Anreiz für den Umstieg auf ein schadstoffarmes Fahrzeug geschaffen. Einziger Nachteil: Die öffentliche Hand würde nichts verdienen mit einer solchen Regelung, weil die Einnahmen für die Plakette schnell durch geringere Erträge aus der Parkraumbewirtschaftung ausgeglichen werden würden. Der Bürger würde sparen und hätte einen Nutzen, die Politik aber wirtschaftlich einen Nachteil. – Deshalb finden solche Vorschläge bei CDU, SPD und FDP und sogar bei den Grünen keinerlei Gehör. Das läßt erkennen, worum es den Politikern vor allem anderen geht: Der steuerzahlende Bürger soll unter dem Vorwand, es würde etwas für den Umweltschutz getan, wieder einmal geschröpft werden.

Pro Köln hat als ersten Schritt im Rahmen einer in 2008 anstehenden umfangreichen kritischen Auseinandersetzung mit der sogenannten „Umweltzone“ in der Bezirksvertretung Nippes einen Antrag gestellt, der auf deren Abschaffung abzielt. Die Nippeser Bürger haben eindeutig durch die Einrichtung der „Umweltzone“ in der unmittelbar an ihren Stadtbezirk angrenzenden Innenstadt nur Nachteile. Welcher Nippeser PKW-Fahrer kann schon auf Fahrten in die Innenstadt verzichten? Er muß also die erforderlichen Aufwendungen für die Anschaffung der „Umweltplakette“ tragen. Was haben die Nippeser davon? – Eindeutig überhaupt nichts!

Der Interessenverband „City-Marketing“ beklagt zu Recht, auswärtige PKW-Fahrer würden künftig eher in Nachbarstädten ohne Umweltzone einkaufen als in Köln, soweit sie noch keine „Umweltplakette“ angeschafft hätten. Darunter werden die Einzelhändler in der Innenstadt zu leiden haben. Indessen weiß kaum jemand, daß attraktive Einkaufsmöglichkeiten in an die Innenstadt angrenzenden Stadtteilen, wie sie beispielsweise im Bereich der Neusser Straße auf Nippeser Gebiet und der Venloer Straße in Ehrenfeld sowie im Zentrum von Rodenkirchen bestehen, auch ohne „Umweltplakette“ angesteuert werden dürfen. Deshalb ist auch nicht zu erwarten, daß Nippes, Ehrenfeld und Rodenkirchen von der Benachteiligung der Innenstadt profitieren werden. Freuen können sich das Möbelzentrum Rösrath und die Einzelhändler-Verbände in Bonn, Leverkusen und Aachen. Von Düsseldorf ganz zu schweigen … aber dort, im Landtag, ist ja die Einrichtung der „Umweltzone“ im Herzen von Köln auch beschlossen worden.

Pro Köln sagt: Weg damit!

   

 
 
 

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