Offenbar lehnt eine Mehrheit
der Anwohner des Rathausvorplatzes dessen Bebauung ab und liegt diesbezüglich
mit einem Antrag der Fraktion pro Köln auf einer Linie, den CDU, SPD, Grüne, FDP
und Linke bereits in der Ratssitzung am 14. Februar 2006 abgelehnt haben. Es
geht um die Suche nach einem geeigneten Standort für das jüdische Museum, dessen
Bau im Innenstadtbereich geplant ist. Bei einem Bürgergespräch im Senatshotel
erklärte der Vorsitzende des Beirates der Eigentümergemeinschaft „An Farina“
seine Bedenken gegen den Rathausvorplatz als Standort für das „Haus und Museum
der jüdischen Kultur“; der „Stadt-Anzeiger“ zitiert ihn mit der Äußerung: „Wir
sind nicht gegen ein jüdisches Museum in Köln. Der Rathausvorplatz ist einer der
ganz wenigen freien, aber schönen Plätze in Köln. Wenn dort etwas entstehen
würde, würde dieser Platz verschandelt werden.“ Die Einrichtung einer
Archäologischen Zone vor dem Historischen Rathaus wurde von den Anwohnern
dagegen ausdrücklich befürwortet.
Zum Plan der Altparteien, den
Rathausvorplatz zu bebauen, hatte Rechtsanwältin Judith Wolter für die Fraktion
pro Köln bereits in der Ratssitzung am 14. Februar 2006 erklärt:
„Wir sind der Auffassung, daß
der Rathausvorplatz in seiner bisherigen Form als Ort der Ruhe unbedingt
erhalten bleiben muß. Der Rathausvorplatz lädt Besucher des Rathauses und
Passanten geradezu zum Verweilen ein. Inmitten der dicht bebauten Innenstadt mit
all ihrer Hektik ist diese Freifläche schlichtweg unersetzlich. Eine mutwillige
Verbauung des Rathausvorplatzes mag zwar politisch korrekt sein, sie bleibt
jedoch unsinnig und wäre eine fatale städtebauliche Sünde. Hierbei ist es auch
völlig egal, ob der Rathausvorplatz durch den Bau eines Jüdischen Museums oder
eines völlig anderen Gebäudes in seiner bisherigen Form irreparabel verändert
wird.
Damit Sie den Antrag nicht
mutwillig fehlinterpretieren, möchte ich für meine Fraktion noch einmal
ausdrücklich klarstellen, daß wir selbstverständlich generell den Bau eines
Jüdischen Museums in Köln an anderer Stelle begrüßen. Im Übrigen wird bereits
jetzt im Rathausbereich in ansprechender Form, nämlich in Gestalt einer kleinen
Glaspyramide, an die Grundmauern des mittelalterlichen Judenviertels erinnert.
Das ist auch gut so.
Sie werden unseren Antrag trotz
dieser Erläuterung geißeln bzw. ihn verdammen. Möglicherweise werden Sie -
politisch ganz korrekt - sogar den Vorwurf des Antisemitismus erheben.
Beeindrucken werden Sie uns hierdurch nicht. Wir wissen, daß die politische
Klasse dieser Stadt nach wie vor eingebettet in das geistige Zwangsregime der
Political Correctness ist. Wer sie auch nur fahrlässig verletzt, wird
rücksichtslos ausgestoßen. Deshalb soll und darf über diese Standortfrage nach
dem Willen der Stadtspitze sowie ihrer Klüngelfraktionen nicht unbefangen
diskutiert werden. Pro Köln macht aus gutem Grund bei diesem peinlichen Spiel
nicht mit. Aus ausschließlich städtebaulichen Gründen muß die unsinnige
Verbauung des Rathausvorplatzes verhindert werden.“
An der Bürgerversammlung im
Senatshotel nahm auch der frühere Stadtplanungsdezernent Klaus-Otto Fruhner
teil, der vorschlug, das jüdische Museum auf dem früheren Kutz-Gelände zu
errichten und den Rathausanbau an einer Judengasse um ein Geschoß aufzustocken,
um die Randbebauung stärker zu betonen. „Eine hervorragende Idee“, meint Judith
Wolter, die im übrigen feststellt: „Unsere Kritik am Rathausvorplatz als
Standort für das jüdische Museum ist durch die jetzt geäußerten Bürger-Bedenken
voll und ganz bestätigt worden.“