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14. Dezember 2007:

Langatmige Schaufensterreden

Die letzte reguläre Sitzung des Kölner Rates im Jahr 2007 nahm mehr als acht Stunden Zeit in Anspruch, weil manche Akteure in der Kölner Kommunalpolitik offenbar großen Wert darauf gelegt haben, altbekannte Standpunkte zu bereits umfassend diskutierten Streitfragen in der Kölner Kommunalpolitik noch einmal unter dem „Markenzeichen“ ihrer jeweiligen Fraktion ausführlich darzustellen. Viel heiße Luft, wenig Resultate für den Bürger, lautet das Fazit der Sitzung. Die „Kölnische Rundschau“ zitiert das SPD-Ratsmitglied Götz Bacher mit der bezeichnenden Äußerung: „Aber jeder nutzt sein Rederecht. Das kann man nur mit Geduld ertragen.“

In der Tat war Geduld von Vorteil, als bei einem gemeinsamen Antrag von CDU, SPD, FDP und Grünen mit einer „Resolution zum Änderungsbedarf im Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II)“, mit der praktische Erfahrungen aus der Verwaltung für Verbesserungen bei der Gewährung von Sozialleistungen eingefordert wurden, die Vertreter sämtlicher Altparteien eine Bühne für ihre Selbstprofilierung suchten. Die Resolution hatte ohnehin eine Mehrheit, auch pro Köln hat sie unterstützt – ein zeitintensiver Vorgang wurde daraus nur, weil es galt, abzuwarten, bis nicht nur alles gesagt war, sondern auch jeder alles gesagt hatte, was den Verlauf der Ratssitzung unnötig in die Länge zog.

Der Antrag der Fraktion pro Köln für „Fußball-Spielplätze für jedermann“ sorgte dann, wie zu erwarten war, für eine scharfe Konfrontation. Die Verwaltung gab in dankenswerter Offenheit zu, daß sie – im politischen Auftrag von CDU, SPD, FDP und Grünen – neue Bolzplätze in Köln vor allem dort anlegen lassen will, wo viele sozial deklassierte Menschen wohnen und der Anteil von Personen mit Zuwanderungs-Hintergrund besonders hoch ist. Manfred Rouhs stellte die rhetorische Frage, wie groß wohl der Aufschrei der Empörung wäre, falls umgekehrt verfahren und Fußballplätze gerade dort errichtet werden würden, wo überdurchschnittlich viele Deutsche wohnen und die Einkommen höher sind. Die Multi-Kulti-Anhänger würden selbstverständlich von „Rassismus“ reden, bemerkte der pro-Köln-Fraktionsgeschäftsführer. Pro Köln dagegen fordert die Gleichbehandlung von Deutschen und Ausländern. Fragen der ethnischen Zugehörigkeit der örtlichen Bevölkerungsmehrheit dürften keine Rolle spielen, wenn es darum ginge, ob in einem bestimmten Stadtteil ein Fußballplatz entstehen soll oder nicht. Zudem kritisierte Rouhs das offenbar bei den in dieser Sache handelnden Verwaltungsmitarbeitern vorherrschende Verständnis von der gesellschaftlichen Rolle des Fußballsports, der offenbar als eine Angelegenheit für sozial randständige Menschen mit Zuwanderungs-Hintergrund aufgefaßt werden würde.

Das Ratsmitglied Ludwig von der Linkspartei führte daraufhin einen ebenso einfalls- wie kraftlosen Angriff auf pro Köln. Zu beanstanden sei, wie geschickt die Bürgerbewegung ihre angebliche vorhandene „Ausländerfeindlichkeit“ tarnen würde als Forderung nach Gleichbehandlung von Deutschen und Ausländern, führte Ludwig aus. Rouhs hielt dem entgegen, daß es eine Benachteiligung von Ausländern durch die Auswahl von bestimmten Standorten für die Errichtung von Fußballplätzen nach der linken Multi-Kulti-Scheinlogik gar nicht geben könne, weil es jedermann freistehe, seinen Wohnort dort zu nehmen, wo er leben wolle, soweit er sich das leisten könne, und die in Köln zu beobachtende Ghettobildung doch gerade die Multi-Kulti-Theorien widerlegen würde. Statt den Bestand der Ghettos als unvermeidbar zu akzeptieren und sie mit der Privilegierung bei der Anlage von Fußballplätzen zu stützen, forderte Rouhs eine aktive Integrationspolitik, die den Abbau gesellschaftlicher Parallel-Strukturen zum Ziel habe.

Die Ratsmehrheit dagegen lehnte den pro-Köln-Antrag erwatungsgemäß ab und will wohl lieber an der Stärkung und dem Ausbau der multi-kulturellen Ghettos durch die Stadt Köln festhalten.

Im weiteren Verlauf der Ratssitzung machte sich pro Köln für den Erhalt der Kölner Bäder stark, die weiterhin von der öffentlichen Hand getragen werden müßten, wie das pro-Köln-Ratsmitglied Bernd M. Schöppe ausführte. Die pro-Köln-Forderung nach einer konzertierten Aktion gegen Gewalt- und Drogenkriminalität, die im vergangenen Jahr in der Domstadt zugenommen haben, wurde von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linken abgelehnt. Die alten politischen Kräfte wollen also offenbar lieber dem Ausufern dieser Kriminalitätsformen tatenlos zusehen, bemerkte dazu Regina Wilden für die Fraktion pro Köln.

Bürgermeister Josef Müller (CDU) leistete sich bei der Debatte über von SPD, Grünen und Linkspartei geforderten Sozialtarifen für den Bezug von Strom und Gas einen verbalen Ausrutscher. Nachdem die Fraktion pro Köln unabhängig von der politischen Herkunft des Antrags dafür Zustimmung signalisiert hatte, sprach er von staatlicher Steuerung der Wirtschaft und Ähnlichkeiten, die zwischen den Kommunisten und jenen bestehen würden, die in Deutschland von 1933 bis 1945 die Führung innehatten. Leider machte Müller erst im Anschluß an die Ratssitzung klar, daß mit der letztgenannten Formulierung die Fraktion pro Köln nicht gemeint gewesen sei. Manfred Rouhs begründete die Zustimmung seiner Fraktion zu dem linken Antrag mit dem Hinweis darauf, daß Konzerne wie die Rheinenergie, die Geld genug hätten, um ausgesuchten Kölner Kommunalpolitikern luxuriöse Schiffahrten über den Rhein mit erstklassiger Bewirtung und Aufsichtsratsreisen in attraktive Urlaubsgebiete zu finanzieren, ohne weiteres auch einmal Menschen mit geringem Einkommen bei den Gas- und Strompreisen entgegenkommen könnten.

Pro Köln stimmte für die Förderung von Hochbegabten und eine Stärkung der Familien. Abgelehnt wurde der pro-Köln-Antrag nach einer Verbesserung des Lärmschutzes in Köln entlang der Bundes-Autobahnen, der den Spitzen der Mehrheitsfraktionen nicht besonders wichtig zu sein scheint.

Ausweichend war die Antwort der Verwaltung auf eine pro-Köln-Anfrage zur Einstellung eines neuen Mitarbeiters beim Presseamt, der nach Zeitungsberichten angeblich Wahlkampf für Oberbürgermeister Fritz Schramma machen soll. Sie war trotz eines allgemeinen Einstellungsstopps in der Verwaltung vorgenommen worden. Die Verwaltung behauptet, der Mann habe mit Schrammas Imagepflege nichts zu tun. Köln würde in aller Welt so umfassend medial thematisiert werden, daß man einfach einen guten Mann mehr im Presseamt gebraucht hätte. Das mag der Steuerzahler glauben oder auch nicht.

Bemerkenswertes förderte dagegen die Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der Fraktion pro Köln nach der Zahl von Menschen mit Leseschwäche in der Domstadt an den Tag. Demnach gibt es in Köln rund 50.000 funktionale Analphabeten, von denen im vergangenen Jahr gerade einmal etwas mehr als 250 kostenpflichtige Alphabetisierungskurse der Volkshochschule in Anspruch genommen haben. 99,5 Prozent der Analphabeten haben also nichts für die öffentliche Hand Wahrnehmbares getan, um ihr Problem zu überwinden. Städtische Aktivitäten und kostenlose Angebote gibt es in diesem Bereich nicht. Pro Köln nimmt diese Verwaltungsauskunft zum Anlaß, um für die Ratssitzung im Januar einen Antrag vorzubereiten, mit dem die Bürgerbewegung diesbezüglich Abhilfe einfordert.

Der wird dann selbstverständlich wieder abgelehnt werden, so wie in der Ratssitzung am 13. Dezember 2007 die pro-Köln-Forderung nach Erleichterungen bei den Parkgebühren („Eine Stunde frei Parken im Stadtgebiet“) ohne Diskussion abgelehnt wurde. Pro Köln stimmte zudem als einzige Fraktion gegen eine Neuregelung der Fraktionszuwendungen, die zwar einerseits mehr Chancengleichheit für Einzelmandatsträger und kleine Fraktionen vorsieht, gleichzeitig aber den großen Fraktionen Personalkosten von bis zu einer halben Million Euro jährlich (!) zukommen läßt. Rouhs kritisierte diese Zuwendungen als völlig überzogen. Alle anderen Ratsfraktionen einschließlich der Linken, die unter ihrem Vorsitzenden Jörg Detjen einen Schmusekurs gegenüber SPD und Grünen fahren, hatten damit indessen überhaupt kein Problem und stimmten den extrem hohen Fraktionszuwendungen zu.

Gerade bei dieser Abstimmung zeigt sich wieder einmal, daß die Fraktion pro Köln die einzige Kraft im Rat ist, die sich der Integration durch den etablierten Politklüngel erfolgreich entziehen konnte: Ein notwendiges, demokratisches Korrektiv zu den alten politische Kräften. Eine unverzichtbare Interessenvertretung für den kölschen Normalbürger!

   

 
 
 

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