FDP-Fraktion setzt Meisner unter Druck
Der Geschäftsführer der FDP-Ratsfraktion,
Ulrich Breite, übt öffentlichen Druck auf Joachim Kardinal Meisner aus. Von
dem wird verlangt, er möge doch bitte irgend etwas Nachteiliges über die
Christen pro Köln äußern. Der Kardinal wird ja wahrscheinlich auch sonst den Tag
über nichts besseres zu tun haben, als sich um die Ränkespiele in der Kölner
Kommunalpolitik zu kümmern und dort der einen oder anderen Partei einen Ball
zuzuspielen.
Die Druckausgabe des „Kölner Stadt-Anzeiger“
vom 4. Juli 2008 zitiert Breite mit der Äußerung, pro Köln ginge es um eine
„Vereinnahmung des Christentums“. Diesen Vorwurf weisen wir höflich aber
bestimmt zurück. In diesem Zusammenhang ist es nötig, auch noch einmal auf den
Charakter der „Christen pro Köln“ hinzuweisen: anders als beispielsweise die
CDU, die das Christentum bereits im Parteinamen zu vereinnahmen versucht,
bezeichnet sich pro Köln nicht etwa ausdrücklich als „christliche
Wählervereinigung“. Mitglied von pro Köln kann auch werden, wer beispielsweise
religiösen Fragen desinteressiert gegenüber steht oder einer anderen Religion
als dem Christentum angehört. Pro Köln ist eine kommunale Wählervereinigung, die
die Interessen der Kölner Normalbürger gegen die Rathausparteien vertritt.
Innerhalb der Bürgerbewegung haben nun Christen einen Arbeitskreis gebildet –
mehr nicht. Zuvor hatten jugendliche pro-Köln-Mitglieder einen Arbeitskreis
Jugend gebildet. Demnächst werden möglicherweise ältere pro-Köln-Mitglieder
einen Senioren-Arbeitskreis ins Leben rufen. Damit werden dann keineswegs alte
Menschen für pro Köln „vereinnahmt“. Vielmehr schaffen sich die verschiedenen
Neigungs- und Interessengruppen innerhalb der Bürgerbewegung eine Plattform zum
Meinungsaustausch. Sie verfassen Erklärungen zu politischen Sachfragen, die mit
dem Thema ihres Arbeitskreises in einem Zusammenhang stehen. Und sie geben
Kölner Bürgern, die sich bislang noch nicht für die Mitgliedschaft bei pro Köln
entscheiden konnten, eine unverbindliche politische Mitwirkungs-Möglichkeit.
Mit einer „Vereinnahmung“ hat das schon
deshalb nichts zu tun, weil die Arbeitskreise durchaus nicht für sich
beanspruchen, für alle jungen oder alten Menschen oder gar für alle Christen in
Köln zu sprechen. Das unterscheidet uns von einer Frau Hannelore Bartscherer,
die in der Öffentlichkeit auftritt, als wäre sie der Papst.
Ulrich Breite hat im Rat in den letzten
Jahren durch verschiedene Engagements Profil gewonnen, sei es für den Bau der
DITIB-Gromoschee oder für den Christopher Street Day, bei dem er sich ja an
diesem Wochenende wieder mit Gleichgesinnten ins Getümmel stürzen kann. Daß er
besonders sensibel wäre für Fragen, die die Kölner Christen interessieren, ist
uns indessen bislang noch nicht aufgefallen. Die Kirche dürfte aus der Sicht des
Herrn Breite, der sich nach eigenem Bekunden freut, mit dem
FDP-Fraktionsvorsitzenden Ralph Sterck „quasi eine schwule Doppelspitze“ zu
bilden und trotzdem als „Repräsentanten der FDP voll akzeptiert“ zu sein, wohl
eher eine Art fremde Erfahrungswelt sein. Über Breites Anliegen, ausgerechnet
den Erzbischof von Köln, der von Breites politischen Klienten als „Haßprediger“
verunglimpft wird, für seine parteipolitischen Interessen zu vereinnahmen,
können wir deshalb nur unsere Verwunderung zum Ausdruck bringen.