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Sünde statt pro Köln - was für Alternativen!

 

7. Juli 2008:

Öffentlicher Sex in der Kölnarena

Der CSD hatte am Wochenende eher den Charakter einer kommerziellen Großveranstaltung im Stil des brasilianischen Karneval als den einer politischen Versammlung für die Rechte der Homosexuellen. Rund eine halbe Millionen Menschen waren auf den Beinen, viele davon heterosexuell. Sie genossen das schöne Wetter und kühle Getränke, und die längsten Warteschlangen waren die vor den Eisbuden. Den politischen Rednern von Scho-Antwerpes bis Volker Beck hörte kaum jemand zu. Und soweit sie sich gegen Haßmusik wandten, die zur Gewalt gegen Homosexuelle aufruft, wird dem wohl kaum irgend jemand widersprechen wollen – erst recht nicht im weltoffenen Köln. Die Redner sprachen im Konsens und sagten im wesentlichen alle das gleiche. Ihre Kritik beispielsweise an der Haltung der Kirche in Polen zu den dortigen Homosexuellen paßte nicht zur Volksfeststimmung in der Kölner Innenstadt, in der Homophobe wohl bestenfalls ausgelacht worden wären. Sie prangerten also Mißstände an, die es jedenfalls im Herzen der Domstadt am 6./7. Juli 2008 nicht gegeben hat.

Forderungen nach „Mehr Sünde“ in Kombination mit „Keine Toleranz für pro Köln“ gingen in der Massenveranstaltung unter und waren eine irrelevante Randerscheinung. Noch randständiger war die Art der Nutzung eines gerade einmal 20 Quadratmeter messenden Nebenraums in der mit Steuergeldern gebauten KölnArena, der für den mehr oder weniger öffentlichen Geschlechtsverkehr einer kaum meßbaren, winzig kleinen Minderheit der CSD-Besucher zur Verfügung gestellt wurde. Gemeint ist das sogenannte „Cruising Area“ bei der „Colour Party“. Der Kölner „Express“ hat dazu einen bemerkenswerten Artikel ins Internet gestellt, der hier abrufbar ist. Den Angaben zufolge durften sogar 16jährige den Sex-Bereich betreten, soweit sie dazu das Einverständnis ihrer Eltern hatten. Von einer Szene, für die solche Praktiken offenbar unverzichtbar sind, wird sich jedermann leicht eine Meinung bilden können – und zwar unabhängig von der Frage, ob sie homo- oder heterosexuell orientiert ist.

Da wäre weniger mehr gewesen. Pro Köln wird sich in den zuständigen Gremien dafür aussprechen, daß beim nächsten CSD öffentliche Räumlichkeiten für ein „Cruising Area“ nicht mehr zur Verfügung stehen.

 

 
 
 

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