Laienhafter Größenwahn
Hannelore Bartscherer, die Vorsitzende des
Kölner Katholikenausschusses, der christlichen Laienorganisation, stellt sich
gut mit der Stadtspitze. Das dokumentiert ein
Artikel, der heute im „Kölner Stadt-Anzeiger“ erschienen ist. Sie weiß
routiniert wie ein Politiker, wann man besser den Mund hält und wann es gilt,
einzustimmen in ein lautes Geschrei gegen jeden, der der weltlichen Obrigkeit
ein Dorn im Auge ist. Vom Kirchenrecht dagegen hat sie keine Ahnung. Sie kennt
ihre Grenzen nicht.
Hannelore Bartscherer ist die treibende Kraft
hinter einer Kampagne gegen Ellen Sänger, die gewähltes Mitglied im
Pfarrgemeinderat der Neuehrenfelder Gemeinde St. Peter ist und sich beim
Arbeitskreis Christen pro Köln engagiert. Bereits seit Wochen wird auf die
71jährige massiver Druck ausgeübt mit dem Ziel, sie zum Austritt bei pro Köln zu
bewegen. Da kann man sich ohne weiteres an die Zustände in totalitären Systemen
erinnert fühlen. Mit dem Gebot der christlichen Nächstenliebe hat der
regelrechte Psychoterror gegen Ellen Sänger jedenfalls nichts zu tun.
Der Pfarregemeinderat bot sogar einen
Referenten aus dem städtischen NS-Dokumentationszentrum (!) auf, um gegen pro
Köln zu agitieren. Diese eigentlich zur parteipolitischen Neutralität
verpflichtete, aus Steuergeldern finanzierte Einrichtung wird in der
korruptionsgeplagten Domstadt im Vorfeld der Kommunalwahl 2009 schamlos
mißbraucht, um gegen pro Köln Stimmung zu machen. Manche politischen Akteure
schämen sich also nicht einmal mehr, die Opfer der NS-Diktatur dadurch zu
verhöhnen, daß sie sie vor ihren parteipolitischen Karren spannen! So verhielt
sich auch der Pfarrgemeinderat, der allen ernstes den städtischen Referenten zu
einem parteipolitischen Vortrag gegen die Bürgerbewegung pro Köln einlud.
Eine solche Unverschämtheit übertrifft
Hannelore Bartscherer noch, in dem sie laut „Stadt-Anzeiger“ erklärt, die
Mitgliedschaft im Pfarrgemeinderat – immerhin ein gewähltes Gremiun – sei mit
der Mitgliedschaft bei pro Köln „nicht vereinbar“. Das ist schlicht frei
erfunden. Ellen Sänger und jedem anderen Katholiken steht es selbstverständlich
frei, bei pro Köln mitzuarbeiten, sich für pro Köln bei Wahlen zu bewerben – und
im Jahr 2009 erneut für den Pfarrgemeinderat zu kandidieren. Eine Überschneidung
politischer Aktivitäten mit der Mitarbeit in katholischen Laienorganisationen
ist weder ungewöhnlich, noch anrüchig. Gerade Frau Bartscherer müßte das
eigentlich wissen.
Denn die Dame sucht gezielt die Nähe der
Kölner Stadtspitze und dürfte sich bei Oberbürgermeister Fritz Schramma mit
ihrem Angriff auf pro Köln erneut beliebt gemacht haben. Der fand stets lobende
Worte für die zeitgeisthörige Laienfunktionärin, die ihrerseits keinen Anlaß zum
Widerspruch sah, wenn sich der angeblich christ-demokratische Oberbürgermeister
beispielsweise positiv über die Arbeit von Donum Vitae äußerte, einer
umstrittenen Einrichtung, die jungen Frauen den Weg zum Schwangerschaftsabbruch
ebnet. Manche Katholiken, die Frau Bartscherer verdächtigen, eine verkappte
Befürworterin der Tötung ungeborenen Lebens zu sein, haben sich bereits in
Briefen an die Kirche gewandt und unter Verweis auf Äußerungen der Hannelore
Bartscherer mit dem Kirchenaustritt gedroht. Das Problem ist also altbekannt,
und mittlerweile wurde von autorisierter Seite klargestellt, daß nur der
Erzbischof von Köln das Recht und die Vollmacht hat, im Namen der katholischen
Christen Kölns zu sprechen. Alles andere – auch die Äußerungen von Frau
Bartscherer – sind Privatmeinungen.
Die heute vom „Stadt-Anzeiger“
veröffentlichten, zum Teil beleidigenden Äußerungen katholischer
Laienfunktionäre über pro Köln haben insofern nichts mit der Meinung der Kirche
zu tun. Statt sich konstruktiv der Umsetzung christlicher Glaubensgrundsätze im
Alltag zuzuwenden, wie es die Christen pro Köln tun, denen es fern liegt, andere
christliche Gruppen mit Beschimpfungen und Verdächtigungen zu überziehen,
leisten diese Laien Hilfsdienste für den etablierten Politikbetrieb, mit dem sie
zum Teil verbandelt sind. Das ist billig, durchsichtig – und unchristlich.
Zur Stärke der Christen gehört seit jeher,
den Zeitgeist gering zu schätzen, egal, woher er gerade weht. Opportunismus ist
mit einer christlichen Grundhaltung unvereinbar. Dieser mahnende Hinweis an die
Adresse von Frau Bartscherer ist nach ihren jüngsten öffentlichen Äußerungen
leider unvermeidbar geworden!