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3. Juli 2008:

Laienhafter Größenwahn

Hannelore Bartscherer, die Vorsitzende des Kölner Katholikenausschusses, der christlichen Laienorganisation, stellt sich gut mit der Stadtspitze. Das dokumentiert ein Artikel, der heute im „Kölner Stadt-Anzeiger“ erschienen ist. Sie weiß routiniert wie ein Politiker, wann man besser den Mund hält und wann es gilt, einzustimmen in ein lautes Geschrei gegen jeden, der der weltlichen Obrigkeit ein Dorn im Auge ist. Vom Kirchenrecht dagegen hat sie keine Ahnung. Sie kennt ihre Grenzen nicht.

Hannelore Bartscherer ist die treibende Kraft hinter einer Kampagne gegen Ellen Sänger, die gewähltes Mitglied im Pfarrgemeinderat der Neuehrenfelder Gemeinde St. Peter ist und sich beim Arbeitskreis Christen pro Köln engagiert. Bereits seit Wochen wird auf die 71jährige massiver Druck ausgeübt mit dem Ziel, sie zum Austritt bei pro Köln zu bewegen. Da kann man sich ohne weiteres an die Zustände in totalitären Systemen erinnert fühlen. Mit dem Gebot der christlichen Nächstenliebe hat der regelrechte Psychoterror gegen Ellen Sänger jedenfalls nichts zu tun.

Der Pfarregemeinderat bot sogar einen Referenten aus dem städtischen NS-Dokumentationszentrum (!) auf, um gegen pro Köln zu agitieren. Diese eigentlich zur parteipolitischen Neutralität verpflichtete, aus Steuergeldern finanzierte Einrichtung wird in der korruptionsgeplagten Domstadt im Vorfeld der Kommunalwahl 2009 schamlos mißbraucht, um gegen pro Köln Stimmung zu machen. Manche politischen Akteure schämen sich also nicht einmal mehr, die Opfer der NS-Diktatur dadurch zu verhöhnen, daß sie sie vor ihren parteipolitischen Karren spannen! So verhielt sich auch der Pfarrgemeinderat, der allen ernstes den städtischen Referenten zu einem parteipolitischen Vortrag gegen die Bürgerbewegung pro Köln einlud.

Eine solche Unverschämtheit übertrifft Hannelore Bartscherer noch, in dem sie laut „Stadt-Anzeiger“ erklärt, die Mitgliedschaft im Pfarrgemeinderat – immerhin ein gewähltes Gremiun – sei mit der Mitgliedschaft bei pro Köln „nicht vereinbar“. Das ist schlicht frei erfunden. Ellen Sänger und jedem anderen Katholiken steht es selbstverständlich frei, bei pro Köln mitzuarbeiten, sich für pro Köln bei Wahlen zu bewerben – und im Jahr 2009 erneut für den Pfarrgemeinderat zu kandidieren. Eine Überschneidung politischer Aktivitäten mit der Mitarbeit in katholischen Laienorganisationen ist weder ungewöhnlich, noch anrüchig. Gerade Frau Bartscherer müßte das eigentlich wissen.

Denn die Dame sucht gezielt die Nähe der Kölner Stadtspitze und dürfte sich bei Oberbürgermeister Fritz Schramma mit ihrem Angriff auf pro Köln erneut beliebt gemacht haben. Der fand stets lobende Worte für die zeitgeisthörige Laienfunktionärin, die ihrerseits keinen Anlaß zum Widerspruch sah, wenn sich der angeblich christ-demokratische Oberbürgermeister beispielsweise positiv über die Arbeit von Donum Vitae äußerte, einer umstrittenen Einrichtung, die jungen Frauen den Weg zum Schwangerschaftsabbruch ebnet. Manche Katholiken, die Frau Bartscherer verdächtigen, eine verkappte Befürworterin der Tötung ungeborenen Lebens zu sein, haben sich bereits in Briefen an die Kirche gewandt und unter Verweis auf Äußerungen der Hannelore Bartscherer mit dem Kirchenaustritt gedroht. Das Problem ist also altbekannt, und mittlerweile wurde von autorisierter Seite klargestellt, daß nur der Erzbischof von Köln das Recht und die Vollmacht hat, im Namen der katholischen Christen Kölns zu sprechen. Alles andere – auch die Äußerungen von Frau Bartscherer – sind Privatmeinungen.

Die heute vom „Stadt-Anzeiger“ veröffentlichten, zum Teil beleidigenden Äußerungen katholischer Laienfunktionäre über pro Köln haben insofern nichts mit der Meinung der Kirche zu tun. Statt sich konstruktiv der Umsetzung christlicher Glaubensgrundsätze im Alltag zuzuwenden, wie es die Christen pro Köln tun, denen es fern liegt, andere christliche Gruppen mit Beschimpfungen und Verdächtigungen zu überziehen, leisten diese Laien Hilfsdienste für den etablierten Politikbetrieb, mit dem sie zum Teil verbandelt sind. Das ist billig, durchsichtig – und unchristlich.

Zur Stärke der Christen gehört seit jeher, den Zeitgeist gering zu schätzen, egal, woher er gerade weht. Opportunismus ist mit einer christlichen Grundhaltung unvereinbar. Dieser mahnende Hinweis an die Adresse von Frau Bartscherer ist nach ihren jüngsten öffentlichen Äußerungen leider unvermeidbar geworden!
 

 
 
 

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