Mißbrauch
stadtnaher Unternehmen
Die Kommunalwahl 2009 rückt näher, jetzt
spannen die alten politischen Kräfte alle Ressourcen ein, an die sie
herankommen, um eine im engeren Sinne des Wortes großflächige Kampagne gegen
ihren Angstkonkurrenten zu führen, die Bürgerbewegung pro Köln. Daß sie
dabei nicht einmal vor einem Mißbrauch Minderjähriger zurückschrecken, ist
mittlerweile hinlänglich bekannt. Jene Kölner Schüler, die von ihren Lehrern für
eine entsprechende Foto-Serie „abkommandiert“ wurden, hatten faktisch kaum eine
Chance, sich der Komparsenrolle zu entziehen. Jetzt werden sie mit einem „Nein
zu pro Köln“ öffentlich zur Schau gestellt, und zwar auf einem im Stil der
früheren DDR-Propaganda gehaltenen Großplakat, das an einem GAG-Haus an der Venloer
Straße Ecke Äußere Kanalstraße hängt.
Die
GAG Immobilien AG ist bekanntlich ein
stadtnahes Unternehmen, das mit dem Geld des Steuerzahlers ins Leben gerufen
worden ist, um qualitativ hochwertigen, bezahlbaren Wohnraum für Kölner Bürger
zu schaffen. Im Laufe der Jahre wurde daraus ein Selbstbedienungsladen für die
kommunalpolitische Klasse. Vorsitzender des Aufsichtsrates der GAG ist der
Kölner SPD-Chef Jochen Ott. Zahlreiche Posten und Pöstchen bei der Gesellschaft
sind im Rahmen des üblichen kommunalpolitischen Schachers vergeben worden. Was
jetzt eigentlich noch fehlt, wäre ein Rundschreiben der GAG-Leitung an ihre etwa
100.000 Mieter mit einer konkreten Wahlempfehlung für den 7. Juni 2009. An einem
solchen Beispiel könnte sich dann die Rheinenergie AG, der mit Abstand
marktbeherrschende Versorger in der Region, orientieren und ihren Kunden
mitteilen, wen sie beim nächsten kommunalen Urnengang zu wählen haben – und wen
nicht. Qualitativ wäre das kaum etwas anderes als das öffentliche Votum gegen
einen parteipolitischen Mitbewerber des GAG-Aufsichtsratsvorsitzenden in Gestalt
des Großplakates, das wir derzeit in Ehrenfeld bestaunen können.
Die Kommunalwahl 2009 ist wohl die erste in
Köln, bei der die Plakatierung bereits elf Monate vor der Wahl beginnt. Der
Vorgang zeigt, wie nachhaltig offenbar bei den Verantwortlichen die Nerven blank
liegen. Sie fürchten die demokratische Kontrolle durch pro Köln im Stadtrat wie
der Teufel das Weihwasser!
Bislang konnten CDU, SPD, Grüne und FDP pro
Köln aus allen Aufsichtsräten heraushalten. Denn nach dem Ergebnis der
Kommunalwahl 2004 repräsentieren die fünf Mandatsträger der Bürgerbewegung im
Rat mit seinen 90 Ratsmitgliedern etwa sechs Prozent der Wählerstimmen. Bei der
Wahl der Aufsichtsräte bildeten die Altparteien eine Einheitsliste gegen pro
Köln und schnitten die Kontrollgremien der stadtnahen Unternehmen so zu, daß
kein einziger pro-Köln-Vertreter durchkam. Falls pro Köln bei der Wahl 2009 zehn
Prozent der Wählerstimmen oder mehr bekommt, könnte auch eine Einheitsliste den
Einzug von „Kontrolleuren“ der Bürgerbewegung in die Aufsichtsräte,
beispielsweise den der GAG, nicht mehr verhindern. Dann säße da plötzlich ein
„Fremdkörper“ mit am Tisch, einer, der in den Klüngel nicht integriert ist. Wer
weiß, was der alles verpetzt? Da hängt die GAG-Spitze lieber rechtzeitig
Großplakate contra Köln an „ihre“ Hausfassaden, auf daß dieser Kelch an ihnen
vorübergehen möge.
Indessen: Es wird ihnen nichts nützen! Sie
werden über kurz oder lang ihre „Beute“ in Gestalt attraktiver Posten und
Einflußmöglichkeiten bei stadtnahen Unternehmen, die der Allgemeinheit
verpflichtet sind, mit den Kölner Bürgern teilen müssen. Und irgendwann müssen
sie sie hergeben. In diesem Sinne fordert pro Köln: Schluß mit dem Politfilz bei
stadtnahen Unternehme - geben wir den Kölnern ihre Stadt zurück!