Ränkespiel um den Rathausvorplatz
Im Hauptausschuß des Rates der Stadt Köln
vollzog sich am 4. August 2008 ein unwürdiges parteipolitisches Ränkespiel um
die Bebauung des Rathausvorplatzes. Die Errichtung der Archäologischen Zone,
versehen mit einem entsprechenden Schutzbau, ist Konsens unter Bürgern und
Kommunalpolitikern. Sie wird auch von der Fraktion pro Köln unterstützt.
Strittig ist aber die Errichtung eines wuchtigen, den Platz fast vollständig
ausfüllenden Museums, die zunächst von allen Altparteien im Kölner Rat
unterstützt worden ist. Pro Köln lehnte dagegen die Bebauung des
Rathaus-Vorplatzes von Anfang an ab. Dann scherten die CDU und Oberbürgermeister
Fritz Schramma aus und stellten den Konsens mit SPD, Grünen und FDP in Frage.
Dafür sollten sie offenbar in der Sitzung des Hauptausschusse abgestraft werden.
Die drei Befürworter der Platzbebauung
brachten einen gemeinsamen Antrag ein, der inhaltlich kaum etwas Neues bot,
sondern lediglich auf eine Bekräftigung der bestehenden Beschlußlage
hinausläuft, nach der der Rathausvorplatz annähernd vollständig zugebaut werden
soll. Offensichtlich ging es den Antragstellern darum, klar zu machen, wer in
dieser Frage eine Mehrheit hat - und wer nicht. Da es also um eine politische
Machtdemonstration ging, verlief die zweieinhalbstündige Debatte dementsprechend
hitzig und ließ keinerlei Bereitschaft bei den Mehrheitsfraktionen erkennen,
sich mit sachlichen Einwänden gegen die Baupläne auseinander zu setzen:
Manfred Rouhs nahm für die Fraktion pro Köln
an der Sitzung teil und hielt den drei antragsstellenden Fraktionen vor:
1.)
Die Bebauung des
Rathausvorplatzes würde den Bürgerwillen mißachten. Meinungsumfragen haben
nachgewiesen, daß die meisten Kölner diesen zentralen Platz in der Innenstadt
auch künftig unbebaut sehen wollen. Falls das Projekt trotzdem umgesetzt werden
sollte, wird in Köln wieder einmal gegen die Bevölkerung regiert.
2.)
Eine verbindliche Entscheidung
für die Bebauung führt die derzeit durchgeführte Bürgerbeteiligung ad absurdum.
Wozu sollen sich Kölner Bürger noch kritisch mit den Architekturentwürfen und
der Grundsatzfrage, ob der Platz überhaupt bebaut werden soll, auseinander
setzen, wenn das Ergebnis ohnehin bereits feststeht und von ihnen nicht
beeinflußt werden kann?
3.)
Der Hauptausschuß beschließt
eine Absurdität. Die Stadt Köln ist selbst nicht Träger des Museums-Baus. Der
Förderverein, der zur Realisation des Bauvorhabens angehalten werden soll,
verfügt bislang unstreitig nicht über die dafür erforderlichen Geldmittel. Wo
sollen die herkommen? Wird in der nächsten Ratsperiode womöglich gar der
Steuerzahler dafür zur Kasse gebeten, weil ja die Mehrheitsfraktionen im Rathaus
den Bau beschlossen haben?
Solche Argumente waren selbstverständlich in
den Wind gesprochen. Trotzdem war die Teilnahme an der Ausschußsitzung
aufschlußreich.
Das geplante Museum der Jüdischen Geschichte
und Kultur wäre möglicherweise auf dem Gelände des ehemaligen Kaufhaus Kutz, das
die Stadt vor Jahren für viele Millionen Euro Steuergeld erworben hat und das
gegenwärtig einen Schandfleck in der Innenstadt bildet, besser aufgehoben.
Immerhin stellte Barbara Moritz, Vorsitzende der Fraktion Die Grünen, klar, daß
es „kein Holocaust-Museum oder Betroffenheits-Museum“ werden soll. Das hören wir
gerne, und wir freuen uns über die offenen Worte der Frau Moritz, wo doch die
Grünen sonst vom Holocaust und von der Betroffenheit gar nicht genug bekommen
können. Alleine schon für die Aufnahme dieser aus der Sicht einer grünen
Fraktionsvorsitzenden vielleicht taktisch nicht uneingeschränkt klugen
Äußerungen, die leider bislang in keinem Massenmedium zitiert worden sind, hat
sich Rouhs’ stundenlange Sitzungsteilnahme gelohnt.
Fazit: Wir freuen uns auf das Museum der
Jüdischen Geschichte und Kultur – aber bitte nicht auf dem Rathausvorplatz!