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16. Juli 2008:

Es stinkt zum Himmel!

Die „Wildpinkelei“ ist nicht nur, aber insbesondere im Zusammenhang mit Großveranstaltungen in Köln ein oft übertrieben fokussiertes Ärgernis. Sie ist eine Bagatelle, verglichen beispielsweise mit der Kriminalitätsentwicklung, mit der sich die Bürgerbewegung pro Köln immer wieder umfassend kritisch auseinandergesetzt hat. Deshalb ist doppelt ärgerlich, daß die Stadtspitze offenbar nicht willens oder nicht in der Lage ist, diesbezüglich einmal Handlungsfähigkeit zu beweisen und wenigstens diese Lappalie zu regeln, statt zu lamentieren. Im Zusammenhang mit dem „Pinkelproblem“ in Köln hätte man erwarten dürfen, daß unsere Politiker endlich einmal ein Thema gefunden haben könnten, mit dem sie nicht intellektuell überfordert wären. Denkste!

Bereits um die vorvergangene Jahrhundertwende (die vom 19. zum 20. Jahrhundert) war die Kölner Innenstadt mit öffentlichen Toiletten versorgt. Erst im Jahr 1993 wurde deren Betrieb eingestellt – aus Geldmangel. Von diesem Schlag hat sich die Stadt in den letzten 15 Jahren nicht mehr erholt.

Vor allem im Bereich des Hauptbahnhofs und am Heumarkt hat sich seither erheblicher Druck aufgebaut, der im ersten Fall mangels Gelegenheit gar nicht und im zweiten Fall schwerpunktmäßig in den Grünanlagen entlang der Deutzer Brücke abgebaut werden kann.  Das ist beipielsweise beim Karneval – vom CSD wollen wir höflich schweigen – nicht immer sehr ästhetisch. Das juckt durchaus auch die Kölner Stadtspitze, die allerdings auf ihre eigene Art und Weise reagiert hat – mit einer Knöllchenoffensive statt mit öffentlichen Toilettenanlagen.

Zwischenzeitlich nahmen Fachleute Witterung auf, die sich mit Entsorgungsproblemen aller Art gut auskennen. Die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) beschafften auf eigene Kosten zwei hochmoderne, versenkbare Urinale. Mit deren Installation hätte man das Problem zumindest in den Bereichen Hauptbahnhof und Heumarkt lösen können. Aber nun mußten ja die hochwichtigen kommunalpolitischen Instanzen über den genauen Standort entscheiden. Und über ein paar andere Details. Zumal insbesondere die Frage zu klären ist, welche kommunalpolitische Größe den Erfolg der Toilettenhaus-Aufstellung an ihre Fahnen zu heften berechtigt ist. Und das dauert.

„Wir standen Gewehr bei Fuß, um die Urinale vor Karneval zu installieren“, zitiert der „Kölnische Rundschau“ den AWB-Chef Herbert Winkelhog. Über Eigenwerbung auf den beiden Einrichtungen wollte die AWB bei den Kölner und den vielen Touristen, denen öffentliche Toiletten Erleichterung hätten verschaffen können, Pluspunkte sammeln. Die Stadt aber sah erheblichen Regelungsbedarf. Kommunalpolitiker stritten um die optimalen Aufstellorte der Bedürfnishäuschen. Bis zur Sommerpause gelang es nicht einmal, im Rat die Schenkung der dringend benötigten Pissours anzunehmen.

Wir werden also im Innenstadtbereich unsere Bedürfnisse noch eine ganze Weile unterdrücken müssen, bevor wir in den Genuß der beiden neuen Toilettenanlagen kommen. Wie gut und ob überhaupt diese dann in Schuß gehalten, vielleicht gelegentlich sogar gereinigt werden, hängt von der Problemlösungskompetenz unserer Politiker ab. Das läßt Schlimmes ahnen.

Bedürfnisse ganz anderer Art stehen bei der politischen Klasse der Domstadt dagegen ganz oben an. So hat sich die Stadt laut aktueller Auskunft des Presseamtes den Wettbewerb für die von sehr vielen Kölnern ausdrücklich nicht gewünschte Bebauung des Rathausvorplatzes bislang 250.000 Euro kosten lassen. Dabei handelt es sich nur um die externen Auslagen, der Arbeitsaufwand der Verwaltungsmitarbeiter ist nicht eingerechnet. Ob aus dieser Investition irgendwann einmal etwas wird, ist fraglich, nachdem ein bekannter, einflußreicher Kölner Finanzoligarch, der auch im Pressewesen tätig ist, sein Unbehagen über das Bauvorhaben geäußert hat und – wahrscheinlich zufällig – kurz darauf auch Oberbürgermeister Fritz Schramma zu den Plänen auf Distanz ging. Zusätzlich zu den beiden gestifteten Urinalen hätte man für dieses Geld fünf weitere Pissours beschaffen können. Die wären nach Auffassung vieler Kölner, zu deren Sprachrohr sich pro Köln hiermit erklärt, in einer solchen handfesten Anschaffung wohl weit solider angelegt gewesen als im Wolkenkuckucksheim der Stadt-Verschandeler, die noch die letzten freien Plätze in Köln zubauen wollen.

Die ganze Angelegenheit ist wahrlich unappetitlich und zeigt, daß es keine Aufgabe gibt, die so gering wäre, daß unsere hochbegabten Kölner Politiker an ihr nicht scheitern könnten. Es stinkt wahrlich zum Himmel!
 

 
 
 

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