Es stinkt zum Himmel!
Die „Wildpinkelei“ ist nicht nur, aber
insbesondere im Zusammenhang mit Großveranstaltungen in Köln ein oft übertrieben
fokussiertes Ärgernis. Sie ist eine Bagatelle, verglichen beispielsweise mit
der Kriminalitätsentwicklung, mit der sich die Bürgerbewegung pro Köln immer
wieder umfassend kritisch auseinandergesetzt hat. Deshalb ist doppelt ärgerlich,
daß die Stadtspitze offenbar nicht willens oder nicht in der Lage ist,
diesbezüglich einmal Handlungsfähigkeit zu beweisen und wenigstens diese Lappalie
zu regeln, statt zu lamentieren. Im Zusammenhang mit dem „Pinkelproblem“ in Köln
hätte man erwarten dürfen, daß unsere Politiker endlich einmal ein Thema
gefunden haben könnten, mit dem sie nicht intellektuell überfordert wären.
Denkste!
Bereits um die vorvergangene Jahrhundertwende
(die vom 19. zum 20. Jahrhundert) war die Kölner Innenstadt mit öffentlichen
Toiletten versorgt. Erst im Jahr 1993 wurde deren Betrieb eingestellt – aus
Geldmangel. Von diesem Schlag hat sich die Stadt in den letzten 15 Jahren nicht
mehr erholt.
Vor allem im Bereich des Hauptbahnhofs und am
Heumarkt hat sich seither erheblicher Druck aufgebaut, der im ersten Fall
mangels Gelegenheit gar nicht und im zweiten Fall schwerpunktmäßig in den
Grünanlagen entlang der Deutzer Brücke abgebaut werden kann. Das ist
beipielsweise beim Karneval – vom CSD wollen wir höflich schweigen – nicht immer
sehr ästhetisch. Das juckt durchaus auch die Kölner Stadtspitze, die allerdings
auf ihre eigene Art und Weise reagiert hat – mit einer Knöllchenoffensive statt
mit öffentlichen Toilettenanlagen.
Zwischenzeitlich nahmen Fachleute Witterung
auf, die sich mit Entsorgungsproblemen aller Art gut auskennen. Die
Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) beschafften auf eigene Kosten zwei hochmoderne,
versenkbare Urinale. Mit deren Installation hätte man das Problem zumindest in
den Bereichen Hauptbahnhof und Heumarkt lösen können. Aber nun mußten ja die
hochwichtigen kommunalpolitischen Instanzen über den genauen Standort
entscheiden. Und über ein paar andere Details. Zumal insbesondere die Frage zu
klären ist, welche kommunalpolitische Größe den Erfolg der
Toilettenhaus-Aufstellung an ihre Fahnen zu heften berechtigt ist. Und das
dauert.
„Wir standen Gewehr bei Fuß, um die Urinale
vor Karneval zu installieren“, zitiert der „Kölnische Rundschau“ den AWB-Chef
Herbert Winkelhog. Über Eigenwerbung auf den beiden Einrichtungen wollte die AWB
bei den Kölner und den vielen Touristen, denen öffentliche Toiletten
Erleichterung hätten verschaffen können, Pluspunkte sammeln. Die Stadt aber sah
erheblichen Regelungsbedarf. Kommunalpolitiker stritten um die optimalen
Aufstellorte der Bedürfnishäuschen. Bis zur Sommerpause gelang es nicht einmal,
im Rat die Schenkung der dringend benötigten Pissours anzunehmen.
Wir werden also im Innenstadtbereich unsere
Bedürfnisse noch eine ganze Weile unterdrücken müssen, bevor wir in den Genuß der
beiden neuen Toilettenanlagen kommen. Wie gut und ob überhaupt diese dann in
Schuß gehalten, vielleicht gelegentlich sogar gereinigt werden, hängt von der
Problemlösungskompetenz unserer Politiker ab. Das läßt Schlimmes ahnen.
Bedürfnisse ganz anderer Art stehen bei der
politischen Klasse der Domstadt dagegen ganz oben an. So hat sich die Stadt laut
aktueller Auskunft des Presseamtes den Wettbewerb für die von sehr vielen
Kölnern ausdrücklich nicht gewünschte Bebauung des Rathausvorplatzes bislang
250.000 Euro kosten lassen. Dabei handelt es sich nur um die externen Auslagen,
der Arbeitsaufwand der Verwaltungsmitarbeiter ist nicht eingerechnet. Ob aus
dieser Investition irgendwann einmal etwas wird, ist fraglich, nachdem ein
bekannter, einflußreicher Kölner Finanzoligarch, der auch im Pressewesen tätig
ist, sein Unbehagen über das Bauvorhaben geäußert hat und – wahrscheinlich
zufällig – kurz darauf auch Oberbürgermeister Fritz Schramma zu den Plänen auf
Distanz ging. Zusätzlich zu den beiden gestifteten Urinalen hätte man für dieses
Geld fünf weitere Pissours beschaffen können. Die wären nach Auffassung vieler
Kölner, zu deren Sprachrohr sich pro Köln hiermit erklärt, in einer solchen
handfesten Anschaffung wohl weit solider angelegt gewesen als im
Wolkenkuckucksheim der Stadt-Verschandeler, die noch die letzten freien Plätze
in Köln zubauen wollen.
Die ganze Angelegenheit ist wahrlich
unappetitlich und zeigt, daß es keine Aufgabe gibt, die so gering wäre, daß
unsere hochbegabten Kölner Politiker an ihr nicht scheitern könnten. Es stinkt
wahrlich zum Himmel!