Eine Stadt wird zugebaut
Einige Kölner Stadtteile verlieren durch
die Bebauung bislang freier Flächen und insbesondere der Innenhöfe alter,
gewachsener Siedlungen immer mehr an Lebensqualität. „Innenhofverdichtung“
heißt die Zauberformel, die Geld in die Kassen der Wohnungsbaugesellschaften
spülen soll. Die kommunalpolitischen Institutionen spielen mit und geben
regelmäßig für solche Pläne grünes Licht, so auch im Fall der Wohnungen im
Karree Venloer Straße, Äußere Kanalstraße, Borsigstraße und Herbigstraße. Ein
Antrag der Fraktion pro Köln in der Bezirksvertretung Ehrenfeld, auf das
Abholzen der Bäume dort zu verzichten und den Bürgern ein Stück Grün zu
belassen, wurde mehrheitlich abgelehnt. Selbst die „Grünen“ spielen mit. Die
ökonomischen Interessen der GAG haben Vorrang vor ökologischen Belangen und vor
den Interessen der Kölner Bürger.
Der Innenhof des Venlo-Karrees war
eine Augenweide, ein Vogelparadies, eine „grüne Lunge“ für die Menschen.
Jahrzehntelang liebvoll von den Anwohnern gepflegte Bäume wurden in kürzester
Zeit abgeholzt. Die Bilder sprechen für sich.

Der Innenhof des Ehrenfelder Venlo-Karrees vor
der Abholzaktion ...

... und hinterher: So sehen die Folgen einer
unverantwortlichen Kommunalpolitik aus.
Fotos: Werner Jungen
Immer wieder haben die Anwohner, allen voran
Werner Jungen und sein Sohn, protestiert
gegen die Zerstörung ihrer Heimat – aber niemand hörte ihnen zu. Im
Bezirksrathaus und im Rat konnten sie auf die Unterstützung der Bürgerbewegung
pro Köln bauen. Der Ehrenfelder Fraktionsvorsitzenden Jörg Uckermann setzte sich
nachhaltig für den Erhalt des grünen Innenhofes ein – vergeblich.
Die Kölner Stadtplaner sollten sich ein
Beispiel an anderen europäischen Metropolen nehmen, die in der Fläche wachsen,
statt sich zu verdichten, also grün abzuholzen und möglichst viel städtischen
Raum zuzubauen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das vor wenigen Wochen
veröffentliche Städtebarometer der Beratungsgesellschaft Ernst & Young, auf dem
Köln einen mittelmäßigen neunten Platz belegt. Düsseldorf dagegen rangiert auf
Platz vier. Schade eigentlich!
Unterdurchschnittlich schneidet Köln u.a. bei der Bewertung
seiner Grünflächen durch die Bürger ab. Offenbar sind also nicht nur einige
Ehrenfelder mit der diesbezüglichen Stadtplanung unzufrieden. Die setzt leider
ihre Prioritäten eindeutig und nach unserer Meinung falsch: Erhalt und Ausbau
der Kölner Grünflächen müssen endlich Vorrang haben vor den Interessen der
Immobilienkonzerne!