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Tango
Korrupti
Das Kartell der Kassierer von CDU und SPD
Wohin der Blick in Köln auch fällt: Korruption breitet sich
metastasenartig aus. Beamte und Angestellte werden bestochen, Manager leiten Riesensummen
in die eigene Tasche, und unsere Kommunalpolitiker werden beatmet, wie
Schmieren im Jargon der Eingeweihten heißt.
Einige Beispiele:
Der Genosse Manfred Biciste, Gymnasiallehrer, langjähriger
SPD-Schatzmeister, war sogar einmal kurzzeitig als neuer Kölner Kulturdezernent im
Gespräch. Im Frühsommer 1994 brachte ihm sein Parteifreund Rüther erstmals einen
Briefumschlag gefüllt mit 1.000-DM-Scheinen. Rüther kam fortan regelmäßig, und Biciste
kassierte. Mehr als 400.000 DM aus anonymer Quelle wurden dem Schatzmeister auf diese
Weise zugesteckt. Ein Zusammenhang mit dem Bau der Müllverbrennungsanlage im Kölner
Norden ist evident. Biciste stückelte das unsaubere Geld in kleine Tranchen unter 20.000
DM, um die Anzeigepflicht der Spenden zu unterlaufen und um den Geldgeber zu verschleiern.
Damit er einen glaubhaften Rechenschaftsbericht vorlegen konnte, kontaktierte der
umtriebige Genosse Parteifreunde wie den ehemaligen Oberbürgermeister Norbert Burger, den
ehemaligen SPD-Vorsitzenden Uhlenbruch sowie weitere 12 Spitzenfunktionäre, die er als
angebliche Geldgeber aufführte. Sie erhielten Spendenquittungen, die sie dann beim
Finanzamt einreichen konnten. Biciste rechtfertigte sich: Manchmal ist man von einer
Sache so überzeugt und glaubt, die Ziele seien so hervorragend und gut, daß man sich
über geltendes Recht hinwegsetzt.
Über Jahrzehnte hinweg gab es in der Kölner SPD eine sogenannte schwarze
Fraktionskasse. Sogenannte Dankeschön-Spenden füllten diese schwarze und illegale Kasse
auf. Hiermit wurden SPD-Wahlkämpfe finanziert sowie verdiente Genossen finanziell
abgefunden.
Bei der Kölner SPD sind die Verhältnisse klar und übersichtlich. Die
Partei zerfällt bis heute in einen linken und einen rechten Flügel. Ideologisch ist das
nur am Rande von Bedeutung, es geht vorwiegend um Posten und Macht. Vor Wahlen treffen
Verhandlungskommissionen beider Flügel Absprachen, die die Genossen das Kölner
Pendel nennen. Wer zu wem gehörte, um später auf dem richtigen Ticket gefördert
zu werden, war sehr wichtig. Um politische Inhalte ging es dabei nicht. Richtschnur war
zumeist die persönliche Bereicherung bzw. der eigene Karrieresprung. Hierin sind sich
CDU, SPD, FDP und Grüne ähnlich.
Den erbärmlichen Zustand der kommunalpolitischen Klasse in dieser Stadt
kann man am besten am Fall Trienekens verdeutlichen. Der CDU-Mann Trienekens, Müll-Multi
aus Viersen, pflegte über Jahre die kommunalpolitische Landschaft in Köln. Er erwies
sich als Meister der politischen Lobbyarbeit. Im Oberbürgermeister-Wahlkampf 1999
bedachte der CDU-Mann Trienekens aus Viersen den SPD-Kandidaten Heugel auf Bitten des
damaligen SPD-Fraktionschefs Rüther mit einer großzügigen Wahlkampfhilfe von rund
70.000 DM und begründete dies mit seinem Faible für Heugel. Abhängigkeiten schaffte
Müll Mogul Trienekens zuhauf. Leitende Mitarbeiter der städtischen Müllofenfirma AVG
und Ratspolitiker hievte der Konzernchef in die Beiräte von Trienekens-Firmen. Immerhin
bringt so ein Mandat bis zu 8.000 jährlich ein. Klaus Heugel soll Trienekens
gleich mehrfach darum gebeten haben, seinem Intimus Rüther neue Einnahmequellen zu
verschaffen. Tatsächlich avancierte Rüther sodann zum Aufsichtsratsvorsitzenden der
Trienekens-Firma B & R mit einem Jahreshonorar von 16.000 DM. Daneben versuchte
Trienekens, Rüther lukrative Beraterverträge zu vermitteln. Hierbei wurde Rüther, der
bislang in Sachen Umweltschutz nicht in Erscheinung getreten war, mal eben zu einem
umweltpolitischen Experten umfunktioniert.
Das Herz des Müll-Königs schlug beileibe nicht nur für die SPD. Die
Kanzlei des ehemaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Bietmann bedenkt Trieneken seit 1999 mit
Honorarverträgen in einer jährlichen Größenordnung von rund 100.000 . Der
Vertrag läuft noch bis ins Jahr 2005 und ist nicht kündbar. Ein anderer Fall ist der
CDU-Hinterbänkler Heinz Ludwig Schmitz aus Lindenthal. Im Rat ist er nie aufgefallen. Vor
geraumer Zeit mußte er sein Ratsmandat zurückgeben, nachdem die Staatsanwaltschaft
Ermittlungen gegen ihn aufgenommen hatte. Schmitz selber ist weder ein Umweltpolitiker,
noch ist er sonst besonders auf dem Gebiet der Abfallwirtschaft hervorgetreten. Er
verfügte jedoch offenbar über für Trienekens wichtige Kontakte. So kam es, wie es
kommen mußte: Der ehrbare CDU-Politiker Schmitz schrieb einige schriftliche
Ausarbeitungen. Diese Ausarbeitungen wurden sodann als Gutachten bezeichnet. Hierfür
erhielt der CDU-Ehrenmann ein Entgelt von 370.000 . Trotz angeblicher
Erneuerung der CDU wurde Heinz Ludwig Schmitz erst vor wenigen Monaten mit
überwältigender Mehrheit ins Amt des stellvertretenden Ortsvorsitzenden der CDU in
Lindenthal gewählt.
Auf der Lohnliste von Trienekens stand auch das ehemalige CDU-Ratsmitglied
Egbert Bischoff. Im Jahre 2002 sollte Bischoff noch für die CDU in den Bundestag
einziehen. Er war zunächst ein Gegner der geplanten Müllverbrennungsanlage in Köln.
Urplötzlich änderte er aber seine Meinung, nachdem der vormalige Grundschullehrer zum
Geschäftsführer einer Trienekens GmbH mit einem Jahresgehalt von mehr als 130.000
aufgestiegen war. Wie Bischoff zu dem Posten in der Führungsetage von Trienekens kam,
darüber läßt sich der ehemalige AVG Geschäftsführer Eisermann bei der
Staatsanwaltschaft wie folgt aus: Man mußte halt auch einen CDU-Mann versorgen.
Entscheidungen im Unternehmen durfte Bischoff aber niemals alleine treffen.
Auch die FDP fehlt natürlich nicht. Deren Fraktionschef Ralph Sterck ist
Kunde bei Trienekens. Sein Kurierdienst Kölner Flitzer lebte über Jahre
hinweg auch von den Aufträgen der Firma Trienekens.
Die Gegenleistung der Politiker kommt uns alle teuer zu stehen: Köln
erhielt eine viel zu große und viel zu teure Müllverbrennungsanlage. Insoweit flossen
Bestechungsgelder in Höhe von 11 Millionen Euro an die politische Klasse in Köln. Die
Zeche muß der Kölner Bürger zahlen, der mit den höchsten Müllgebühren von NRW
traktiert wird. Und ein Bürgerbegehren mit über 50.000 Unterschriften gegen die
Müllverbrennungsanlage wird mal eben für rechtlich unzulässig erklärt. Der damalige
Regierungspräsident Antwerpes erklärte, über solche Projekte könne der gemeine Bürger
nicht entscheiden.
Es gilt, noch einen weiteren ehrenwerten Herrn der Kölner Kommunalpolitik
anzusprechen. Es handelt sich um den Verkehrsrichter Hamm (CDU). Dieser bekam kürzlich
ebenfalls von der Staatsanwaltschaft Hausbesuch. Der im Establishment hochangesehene
Jurist ist Aufsichtsratsvorsitzender der Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft.
Kaum hatte er sein lukratives Aufsichtsratsmandat angetreten, fand dort sein Sohn
Unterschlupf. Der treusorgende Vater soll demselben sodann - offensichtlich rechtswidrig
eine mehrfache Höhergruppierung seines an sich schon überaus fürstlichen
Gehaltes ermöglicht haben.
Auch beim Spendenstückeln unterscheiden sich CDU und SPD nicht. Was Herr
Biciste konnte, kann natürlich auch Herr Blömer von der CDU. Der ließ ebenfalls
eingegangene Spenden gegen die zwingenden Vorschriften des Parteiengesetzes zerstückeln,
um deren Herkunft zu verschleiern.
Die angesprochenen Fälle sind exemplarisch für die gesamte Kölner
Kommunalpolitik. Das Umgehen jedweder Moral und Regel gilt als besonders pfiffig. Beim
gegenseitigen Helfen kommt es gar nicht darauf an, wer zu welcher Altpartei gehört. Die
Sieger lassen die Verlierer nicht verkommen, denn unten kann ja bald schon wieder oben
sein. Lange Jahre hat in Köln die SPD regiert, dann kam die CDU dran, aber die Granden
beider Parteien hatten schon vorher das Terrain fair untereinander aufgeteilt.
Hier ein gut bezahlter Posten, dort ein schöner Auftrag. Bestechung, Vorteilsnahme,
Ämterpatronage, Lobbykratie, schwarze Kassen, Spendenskandale prägen bis heute die
Kölner Kommunalpolitik.
Es ist wirklich an der Zeit, daß dieser schwarz-rote Sumpf trocken gelegt
wird!
Die Bürgerbewegung pro Köln e.V. hat zur
Kommunalwahl 2004 ein Flugblatt zum Thema Korruption verbreitet. Dieses Flugblatt kann
als PDF-Datei heruntergeladen werden:
Flugblatt zum Thema Korruption
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