Westfriedhof: Vergessenes Gedenken an Opfer des Krieges und der NS-Herrschaft
Aus den Veedeln, Köln aktuell / Freitag, 10.Februar.2017

Westfriedhof: Vergessenes Gedenken an Opfer des Krieges und der NS-Herrschaft

Auf dem Westfriedhof im Stadtteil Vogelsang liegen auf einem eigenen Areal tausende Opfer der alliierten Bombenangriffe und der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, unter anderem auch des menschenverachtenden Euthanasieprogramms, begraben. In den 1960er Jahren wurden diese Flächen zur Gedenkstätte „Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ zusammengeführt und offiziell eingeweiht. Heute befindet sich diese Kriegsgräberanlage, in der auch viele polnische und russische Zwangsarbeiter bzw. Kriegsgefangene bestattet sind, aber in einem erbärmlichen Zustand: Kaputte Wegplatten, verwilderte Gräber, unlesbare Inschriften und Gedenkplatten, schief stehende oder gar geborstene Grabsteine.

Obwohl dieser Zustand seit langem bekannt ist und auch schon von der Bezirksvertretung Ehrenfeld und dem polnischen Konsulat in Köln thematisiert wurde, wird von Seiten der Stadt Köln offenbar nichts dagegen unternommen. Noch nicht einmal eine offizielle Dokumentation der  untragbaren Zustände gibt es auf gesamtstädtischer Ebene. Reichlich erstaunlich angesichts der Tatsache, dass sich die Stadt Köln sogar eine eigene NS-Dokumentationsstelle leistet, deren Eifer aber offenbar mehr auf den aktuellen Kampf gegen unliebsame Oppositionsparteien gerichtet ist, anstatt auf ihre eigentliche Aufgabe.

Oder liegt das offizielle Desinteresse vielleicht daran, dass in der Gräberanlage auch den „verkehrten Toten“ gedacht wird? Man könnte übrigens den Eindruck gewinnen, dass dazu nicht nur die Bombenkriegstoten zählen, sondern auch die Opfer des NS-Euthanasieprogramms. Denn wenn heute ungeborene Kinder straflos im Mutterleib getötet werden dürfen und bei der „Sterbehilfe“ im Alter die Grenzen der Unantastbarkeit des Lebens zunehmend verwischen, dann möchten manche vielleicht auch nicht zu sehr an die NS-Barbarei der Ermordung von schwerbehinderten Menschen als „unwertes Leben“ erinnern.

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